Jahrgang 
1916
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IV./ Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr begann Montag, den 12. April, der Unterricht Dienstag, 13. April. Die Zahl der Klassen war dieselbe wie im Vorjahre, 16 in der Höheren, 10 in der Er- weiterten Mädchenschule. Die Gesamtzahl der Schülerinnen betrug 830, gegen 840 des Vorjahres. Die Klasse 7 b war zunächst wieder in einer Schulbaracke im Schulhof der Stadtknabenschule an der Nordanlage untergel racht, musste aber vom 22. September 1915 ab, da die Baracke für militärische Zwecke gebraucht wurde, ihren Unterricht in unserem Schulgebäude erhalten, obwohl ein Klassenzimmer nicht mehr zur Verfügung stand. Wir mussten uns dadurch helfen, dass wir die Schülerinnen der Kl. 7 b in den ersten Morgen- stunden und an 2 Nachmittagen Anspruch nahmen.

An die Stelle des Prof. Buchhold, der am 1. April 1915 in den Ruhestand trat, wurde Oberlehrer Prof. Partenheimer durch Verfügung vom 7. April 1915 mit Wirkung vom 12. April 1915 berufen.

Jakob Partenheimer, geb. am 18. April 1863, besuchte erst die Volksschule, dann das Pro- gynwasium zu Neuwied und zuletzt das Gymnasium zu Worms, wo er Ostern 1883 die Reifeprüfung bestand. Er studierte auf der Landesuniversität Theologie bis Herbst 1886 und bezog das Prediger- seminar zu Friedberg. Am 9. Januar 1888 machte er seine Staatsprüfung in Darmstadt und war von Februar bis September im Pfarramt. Dann gehörte er zwei Jahre dem Kandidaten-Konvikt am Kloster Unser lieben Frauen an und erwarb bei der Königl. preussischen wissenschaftlichen Prüfungs- kommission in Halle an der Saale im Oktober 1800 ein Oberlehrerzeugnis für Deutsch, Religion und Hebräisch. Von Ostern 1891 ab war er an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey tätig, seit dem 18. Juli 1894 als Oberlehrer. Am 1. Juli 1903 wurde ihm der Charakter als Professor er- teilt und am 25. November 101I das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen. Seit dem 12. April 1015 gehôrt er unserer Anstalt an.

Der Gesundheitszustand des Kollegiums war besser als im Vorjahr, doch blieben wir von Störungen infolge Krankheit nicht ganz verschont. In den Pfingstferien erkrankte Fräulein Paletta. Ein Versuch, 14 Tage nach Wiederbeginn des Unterrichts ihre Tätig- keit wieder aufzunehmen, missglückte, sie wurde bis zu Beginn der grossen Ferien be- urlaubt und im Zeichnen vom 29. Juni ab bis zu den grossen Ferien von Frl. Bonin aus Worms vertreten. Am 26. Januar 1916 musste sie auf ärztlichen Rat abermals um Urlaub, zunächst für 4 Wochen, dann bis zum Ende des Schuljahres nachsuchen. Vom 13. März bis zum Schluss des Schuljahres wurden ihre Zeichenstunden von Frl. Ott aus Mainz erteilt.

Frl. Welcker, deren Gesundheit schon seit Jahren bedenklich schwankte, wurde am 1. Dezember 1915 auf ihr Nachsuchen in den Ruhestand versetzt. Sie war vom 1. Juli bis 1. Dezember beurlaubt. Mit der Erteilung ihres Unterrichts wurde vom 1. November ab Frau Rechtsanwalt Martha Thurn aus Lauterbach beauftragt, die vor ihrer Verheiratung an unserer Schule längere Zeit tätig war.

Dr. Schäfer, der während der Herbstferien militärisch einberufen war, hatte im Herbst sein zweites Vorbereitungsjahr beendet und wurde durch Verfügung vom 1l. Oktober 1915 zum Lehramtsassessor ernannt.

Von früheren Angehörigen unseres Kollegiums starben in diesem jJahre drei: am 1. Dezember 1915 Prof. Buchhold, am 7. Februar 1916 Frl. Anna Müller und am 11. März Frl. Elise Tasché.

Der Gesundheitszustand unserer Schülerinnen war, abgesehen von einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Masernerkrankungen in Kl. Xa und 8b am Anfang des Schul- jahres, befriedigend. Dennoch haben wir den Verlust eines braven hoffnungsvollen Kindes