1. Schulnachrichten.
Das Schuljahr 1912/13 begann Montag, den 15. April.
Frl. M. Rossler, die seit März 1900 an unserer Schule tätig war, schied mit Ab- lauf des Schuljahres 1911/12 aus dem Schuldienst aus, um sich zu verheiraten. Frl. Ida Schüler aus Darmstadt trat an ihre Stelle. Durch den Zuwachs an Klassen in der Haupt- schule und infolge der Durchführung des mathematischen Unterrichts auf der Oberstufe musste eine weitere Lchrkraft eingestellt werden: Lehramtsassessor Dr. Peppler. Nun- mehr konnte für diejenigen Schülerinnen der Klasse IIal u. IIas der H. M., die Ostern 1914 in die Obersekunda der Oberrealschule eintreten wollen, ein besonderer Unterricht in der Mathematik eingerichtet werden. Die diesen Unterricht besuchenden 20 Schülerinnen hatten im ganzen 6 Mathematikstunden wöchentlich; 4 zur selben Zeit wie die übrigen Schülerinnen und zwei statt der Handarbeitsstunden, die für sie wegfielen, um eine UÜber- bürdung zu vermeiden. Dieser mathematische Kursus wird im Schuljahr 1913/14 in Kl. I fortgesetzt; ob er für Kl. II wiederum eingerichtet wird, hängt davon ab, ob ge- nügend Schülerinnen da sind, die Ostern 1915 in die Oberrealschule übertreten wollen, und von der Genehmigung der Schulabteilung Grossh. Ministeriums des Innern.
Am 24. April trat Lehramtsassessor Dr. Werner als Volontär bei uns ein und blieb bis zum 10. Oktober 1912. Die Lehrbefähigungen, die er hatte, legten es nahe, für die den Eintritt in die Oberrealschule erstrebenden Schülerinnen einen freiwilligen Lateinkursus einzurichten. Es wurden zwei Wochenstunden vorgesehen unter Vermeidung jeder häuslichen Arbeit; 11 Schülerinnen nahmen an dem Kursus teil. Nach dem Weg- gang des Herrn Dr. Werner übernahm Herr Assessor Beck den Unterricht.
Um die Möglichkeit ihrer Durchführung zu erproben, richtete Herr Prof. Markert physikalische Schülerinnenübungen ein, zunächst für Klasse IIal- an einem Nachmittag. Des beschränkten Raumes wegen konnten nur 10 Schülerinnen zugelassen werden. Die Beschäſtigung erfolgte nicht in gleicher Front, sondern paarweise.
Durch Dekret vom 1. IV. 12. wurden Frl. Velke und Frl. Weber fest angestellt.
Hedwig Velke, Tochter des Oberbibliothekars i. R. Prof. Dr. Velke, geboren am 12. April 1883 in Mainz, besuchte von 1891— 1901 die dortige höhere Madchenschule und von 1901— 1904 das Mainzer Lehrerinnenseminar für das hohere Lehramt. Von April 1905 bis Marz 1906 weilte sie zu ihrer Ausbildung in der franzosischen Sprache in OQuchy-Lausanne. Im August und September 1906 vertrat sie eine Lehrerin an der hoh. Madchenschule in Worms. Anſangs Januar 1907 kam sie als Schulverwalterin an die hoh. Madchenschule zu Giessen.


