Jahrgang 
1908
Einzelbild herunterladen

9

schulbildung, die gleichbedeutend ist mit einer Herabsetzung des weiblichen Geschlechts.(Ritter).

lch kann deshalb nicht dringend genug wünschen, dass alle Eltern, ehe sie uns ihre Kinder anvertrauen, sich darüber klar werden, welche Ziele unsere Schule erstrebt und welche Ausbildung sie im besonderen ihren Töchtern geben wollen. Wollen Sie, Väter und Mütter, von uns beraten sein, kommen Sie zu uns, wir wünschen nichts dringender; wir sind jederzeit gerne bereit. Haben Sie das Vertrauen zu uns, dass bei allem was wir tun, wir nur das Wohl unserer Zöglinge im Auge haben. Soll aber unser Einfluss auf die uns anvertrauten Kinder mõöglichst gross und tief sein, dann müssen diese vor allem der Schule und allem was damit zusammenhängt, die grösste Achtung entgegenbringen. Helfen Sie, die Eltern, diese Achtung in die Herzen der Kinder zu pflanzen und sie zu stärken, seien Sie gerecht und billig gegen die Schule, auch wenn sie, was keineswegs ausgeschlossen ist, einmal einen Fehlgriff tut; wir unsererseits werden ebenso alles daran setzen, die erste aller Kindestugenden, die Liebe zu Vater und Mutter, die Achtung vor den Eltern zu hegen und zu pflegen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, lassen Sie uns gemeinschaftlich, einheitlich danach streben. Wie Wallenstein dem schwedischen Obersten, so rufe ich Ihnen zu:

Und weil nun unser Vorteil so zusammengeht, So lasst uns zu einander auch ein recht Vertrauen fassen.

Ein solches volles, rückhaltloses Vertrauensverhaltnis wird vor allen Dingen denen zugute kommen, die, auch wenn es noch nicht ausdrücklich gesagt worden ist, im Mittelpunkt der heutigen Feier stehenund das seid Ihr, liebe Schülerinnen. Euch zuliebe, zu euerem Wohl und Heil ist dieses neue schöne Haus gebaut worden, und ihr dürft euch glücklich preisen, und es muss euch mit Stolz er- füllen, dass ihr als die Ersten hier eintreten dürft. Zeigt nun aber auch, dass ihr diesen Vorzug verdient. Weit und hell sind die Räaume, die euch zur Arbeit einladen, weit und empfänglich sei und bleibe euer Geist, hell und rein euer Herz. Ihr werdet nun von diesem Hause als von eurem Hause reden, ja, be- trachtet es nur als das Eurige, hütet es wie ein euch anvertrautes Kleinod. Es ist für euch eine Pflicht der Dankbarkeit, aber ihr ehrt euch auch selbst, wenn ihr die Stätte, wo ihr für den Kampf des Lebens ausgerüstet werden sollt, als eine geweihte anseht, als eine geweihte hütet und hegt. Und auch wir, meine verehrten Damen und Herrn vom Kollegium, wollen alles aufbieten, damit der schöne Schatz, den man uns heute anvertraut, auchWohlerhalten bleibe.

Ehe wir aber endgültig von ihm Besitz ergreifen, ist es mir ein Bedürfnis noch einmal zu danken namens der Lehrer und Lehrerinnen, Namens der Schülerinnen und ich bin selbst Vater namens der Eltern, zu danken vor allem der Stadt für das grosse Opfer, das sie uns gebracht hat, zu danken Herrn Architekt Meyer und Stadtbaumeister Gerbel, nicht minder aber auch Herrn Bauführer Nold, der bei den mancherlei Zwischenfallen des Baues eine sehr schwierige Aufgabe hatte, zu danken auch denjenigen beim Bau beteiligten städt. Verwaltungen und denjenigen Handwerksmeistern, die ihren Anteil an der Herrichtung dieses Hauses gewissenhaft und púnktlich geleistet haben, zu danken last not least der treuen Schar früherer Schüulerinnen, die in dankbarem Angedenken an das, was