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schreiten, die der weiblichen jJugend eine den Anforderungen der Neuzeit ent- sprechende Bildung ermöglichen will, darf diese Frage ungepruft lassen.
Unsere hessischen höheren Mädchenschulen dürfen sich dank der aus- gezeichneten Fürsorge, die ihnen die Schulabteilung, voran der im Mädchenschul- wesen praktisch erprobte Leiter, angedeihen lässt, dank der grossen Opferwilligkeit, mit der die Städte sich ihrer annehmen, würdig neben die anderen höheren Mädchenschulen des Reiches stellen, und ich darf wohl in diesem für unsere Schule so bedeutungsvollen Augenblick der Hoffnung und dem Wunsch Ausdruck geben, es möge auch in der Zukunft unserer Anstalt von Stadt und Staat dieselbe ideelle und materielle Férderung zuteil werden, deren wir— das sei dankbar anerkannt— uns bis jetzt zu erfreuen gehabt haben.
Alle Schulfragen sind in letzter Linie Lebrerfragen. Mögen die Lehr- und Erziehungsziele noch so sorgfältig und umsichtig aufgestellt, mögen die Wege, die dorthin führen, noch so genau vorgezeichnet sein, sie werden zu nichts helfen, wenn nicht die Lehrer jene Ziele mit ganzer Seele erfasst haben und— gan⸗z erfüllt von der Hoheit ihres Berufes und der Grsse ihrer Verantwortung, stets sich zu prüfen imstande sind— und auch wirklich pruüfen, ob der Weg, den sie gehen, der rechte ist. Ich darf meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Anerkennung nicht versagen, dass sie bis jetzt stets ihr bestes getan haben, um den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden, ich darf deshalb auch gewiss sein, dass sie bereit sind mit mir zu geloben, auch in Zukunft, und wenn neue und grössere Aufgaben an uns herantreten, alles einzusetzen für das Wohl und Gedeihen unserer Schule.
Noch aber habe ich ein Wichtiges nicht erwähnt, dessen keine Schule, insbesondere keine h. M. entraten kann, das ist das Interesse, das Wohlwollen und das Vertrauen der Eltern. Eine einheitliche von Haus und Schule zu leistende Erziehung ist schlechterdings unmglich, wenn nicht zwischen beiden völlige Klarheit über das Ziel einerseits und über die einzuschlagenden Wege anderer- seits besteht.
Man sollte es eigentlich für ganz selbstverständlich halten, dass wer sein Kind in eine höhere Schule schickt, ihm eben die von dieser Schule zu über- mittelnde höh. Bildung zugedacht, sich also von vorn herein darauf eingerichtet hat, es so viel Jahre der Schule zu überlassen als diese braucht, ihr Ziel zu erreichen. Diese Voraussetzung aber trifft keineswegs zu, denn ein ganz be- trächtlicher Teil unserer Schülerinnen verlasst schon nach 8 ein anderer nach 9 Jahren die Schule, hat also nur ein Bruchstück der Bildung, zu deren Ueber- mittelung die Schule 10 Jahre vorgesehen hat. Eine solche vorzeitig abgebrochene Bildung hat aber nur sehr bedingten Wert, und bei dem vorzeitigen Verlassen der Schule verwenden die Mädchen ihre Kraft z. T. völlig nutzlos, denn sie sind mit dem wenigen, das sie bis zu ihrem Austritt in diesem oder jenem Fach erreicht haben, völlig ausser stande weiter zu arbeiten; diese Weiterarbeit aber— das Bedürfnis danach und die Fäâhigkeit dazu— ist mit das Beste, das wir unseren Schülerinnen mitgeben können.„Wo nicht gesundheitliche Rücksichten oder ganz besonders zwingende Gründe anderer Art vorliegen, bekundet ein verfrühtes Abbrechen der Bildungsarbeit eine ungenügende Würdigung tüchtiger Mädchen-


