sind, den öffentlichen Schulen ihren eigenen geistigen Besitz zum Ziel und Mass zu machen, weil sieé das, was sie selbst treiben und verstehen, für das Grosse und eigentlich Wichtige halten und deshalb von allen anderen fordern, dass sie es eben dafür anschen, schätzen und treiben— solche Forderungen, mit denen nur Einzelnen gedient ist, dürfen zum Schaden der Mehrheit nicht verwirklicht werden.
Nun hat aber die Frau an unserem modernen Leben nicht nur als Gattin und Mutter Anteil, vor allem drängt die Frauenbewegung darauf, dass sie auf diesen Anteil nicht beschrankt bleibe, weil sonst tatsächlich viel geistiges und sittliches Kapital brach läge. Sie hat es denn mit noch manchem anderen auch erreicht, dass der Frau sich die Pforten der Hochschule geöffnet haben, und eine der umstrittensten Fragen ist heute die: wie erlangen die Mädchen, die studieren wollen, die Reife für die Hochschule? Die verschiedensten Wege sind seither begangen worden, u. a. auch der scheinbar einfachste, dass man die Mädchen in die höheren Knabenschulen verwiesen hat und gemeinschaftlich mit den Knaben unterrichtet. Es ist hier nicht der Ort, die Vorzüge und Schattenseiten einer solchen gemeinsamen Erziehung zu erörtern, auch die Frage, ob Gymnasialkurse, ob Mädchengymnasium etc. soll uns jetzt nicht beschäftigen, für uns ist in diesem Augenblick nur von Bedeutung, dass mit der Neugestaltung der höheren Mädchen- schule die Universitätsreife erworben werden soll in einem Aufbau auf die höhere Madchenschule, in einem Aufbau aber, der den innern Bau und das Wesen der höheren Mädchenschule, d. h. die Interessen der Mehrheit in keiner Weise zugunsten
einer kleinen Minderheit— eine solche werden die Zahl der studierenden Mädchen wohl immer bilden— beeinflusst. Der Oberbau oder die Studienanstalt macht sonach einerseits der geistigen Elite— wie ein Abgeordneter im preussischen
Abgeordnetenhaus die studierenden Mädchen genannt hat— die Bahn frei, und andererseits bietet er eine gewisse Gewahr, dass nicht Unberufene auf diese Bahn gerissen werden. Ein Mädchen kann mit viel mehr Sicherheit sich im 15. oder 16. Jahr für einen gelehrten Beruf entscheiden als im 12., wie das lange mit der sog. Gabelung erstrebt worden ist. Und wird die Studienanstalt verwirklicht, so wird es von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein, dass die gelehrte Frau und die Mutter sich deshalb leicht verstehen, weil sie gemeinschaftlich die grundlegende Bildung empfangen haben.
Aus diesen kurzen Ausführungen, m. D. u. H., bei denen ich mich auf das allerwesentlichste beschränkt habe, sehen Sie, dass in dem Augenblick, wo wir uns in diesem neuen Haus einrichten wollen, der höheren Mädchenschule neue, grössere, weitere Aufgaben gesteckt werden sollen. Das ist für uns nicht etwa deshalb minder wichtig, weil diese Forderungen zunächst in Preussen erhoben werden sollen. Mit Max Piccolomini dürfen wir sagen:
„Es geht hier etwas vor um mich, ich seh's An ungewöhnlich treibender Bewegung; Wenn's fertig ist, kommt'’s wohl auch bis zu mir.“
UÜbrigens ist der Wunsch nach Um- und Ausgestaltung der hõheren Madchenschule allgemein, und kein Staat und keine Stadt, die mit der Zeit fort-


