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weilt, sondern für das ganze Leben; es soll euch ein zweites Vaterhaus sein, in das euch eure liebsten und besten Erinnerungen stets zurückführen. Hier soll der Grund gelegt werden, auf dem euer Leben sich aufbaut. Es ist eine Haupt- aufgabe dieser Schule, den Schülerinnen Achtung vor der Bildung und den Trieb zum eignen Weiterstreben einzupflanzen. Moge diese Achtung vor der Bildung, der wahren Bildung des Geistes und des Herzens euch bier gelehrt werden; sie ist die beste Schutzwaffe in den Versuchungen und Zerstreuungen des Lebens; sie kann euer Leben verschönern und veredlen, indem sie euch hinweist auf die wahren Reichtümer, indem sie euch die Kraft und die Lust gibt, euch diese Reichtümer zu eigen zu machen. Dass das aber geschehe, das ist in Ihre Hand gegeben, hochverehrter Herr Direktor und verehrte Lehrer und Lehrerinnen, und in diesem Sinne gchort Ihnen dies Haus! Sie, verehrter Herr Direktor, haben sich unseren Dank und unsere Anerkennung in hohem Masse verdient, indem Sie die Schule mit Liebe und Umsicht gepflegt und zum inneren und ausseren Aufbau derselben uns sachkundigen Rat in unermüdlicher Weise erteilt haben. Môgen Ihnen, wie Ihrem Lehrerkollegium die neuen, schönen Räume ein Lohn sein für die bisherige treue Pflichterfüllung; ein Antrieb, dem schönen ldeale, das von Ihrem Berufe in lhrer Secle lebt, mit vereinten Kräften nachzustreben; mögelhnen das Bewusstsein, an einer Schule zu wirken, die in so hervorragender Weise die Förderung und Unterstützung der staatlichen und städtischen Behörden gefunden hat, neue Freudigkeit in Ihrer schönen und schweren Tatigkeit verleihen. Und so mögen denn Lehrer und Schülerinnen in schönem Verein dahin wirken, dass dies Haus in unserer Stadt recht vielen zu eigen wird als ihr Haus, ihr Haus, das viele teure Jugenderinnerungen birgt und fortwirkende Anregung für das ganze Leben gibt.
Möge aus diesem Hause ein reicher Strom des Segens in viele Häuser unserer Stadt sich ergiessen; möge dieser Strom des Segens wieder zurückfliessen auf unsere Gemeinde, und die Schule so ihre Aufgabe erfüllen, an ihrem Teil mitzuwirken an der Hebung und Stärkung unseres Bürgertums.
Dieser Rede, die ihren Eindruck nicht verfehlte, folgte der Gesang: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, an den sich die Festrede des Direktors an- schloss. Auch er dankte zunachst den Gästen für ihr Erscheinen. Der Neubau, so fuhr er dann fort, sei ein Beweis dafür, dass die Stadt Giessen in der Für- sorge für eine höhere Bildung der weiblichen Jugend nicht hinter anderen Städten habe zurückbleiben wollen. In einem kurzen geschichtlichen Rückblick legte er dar, welchem Bedürfnis unsere Schule entsprungen, und wie sie diesem seither gerecht geworden sei. Zu der bevorstehenden Umgestaltung der höheren Mädchen- schule übergehend, fuhr er dann fort:„Wollen wir Stellung nehmen zu den For- derungen, die an die umgestaltete höhere Madchenschule gestellt werden sollen, so müssen wir uns darüber klar sein, welchem Hauptzwecke denn die höhere Madchenschule überhaupt dienen soll. Sie ist— darüber kann ja wohl kein Zweifel mehr sein— nicht bloss Lehr- oder Lern., sondern Erziehungsschule. Das Er- ziehungsziel gilt, wie fur jede andere Schule, auch für sie. Welches ist nun dieses Ziel? Ohne uns in weit ausholende gelehrte Auseinandersetzungen einzulassen, dürfen wir mit einem namhaften Padagogen der Neuzeit[Rein] dieses Ziel wie folgt festsetzen:


