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Der Gesundheitszustand unserer Schülerinnen liess, besonders zu Be- ginn des Schuljahres, zu wünschen übrig, wo infolge von Keuchhusten in den unteren Vorschulklassen oft ein Drittel der Schülerinnen fehlte.
Im Herbst dieses Jahres ist es zum erstenmale vorgekommen, dass eine Schülerin aus unserer Höheren Mädchenschule in eine hiesige hôhere naben- schule(Realgymnasium) übergetreten ist und zwar aus lla nach Obertertia; zwei andere sind im Hlerbst aus Vha und VIla ausgetreten, um Ostern 1907 nach Quarta, bezw. Quinta überzugehen. Voraussichtlich werden Ostern einige weitere Uebertritte aus VIIha nach Sexta des KRealgymnasiums erfolgen; eine Schülerin, die aus Da abgeht, will in Unterprima der Oberrealschule eintreten, und zwei, die jetzt in die Iha aufrücken würden, wollen sich privatim vorbereiten lassen, um O. 1908 in die Obersekunda der O.-R. einzutreten.
Die Frage der Umgestaltung und des Ausbaues der höheren Mädchen- schule ist seit langem in Fluss. Wir werden sie in Anbetracht der hier oben angeführten Tatsachen ganz besonders aufmerksam verfolgen müssen.
Grossherzogs und Kaisers Geburtstag wurden wie alljährlich durch eine Schulfeier festlich begangen. Am 24. November sprach Herr Haber über Land- graf Georg I., am 26. Januar Herr Dr. Bergéer über den Krieg 1870/71 im deutschen Lied. Einige Lieder wurden dabei vom Chor gesungen, andere von Schülerinnen vorgetragen.
Besondere Freude brachte unserer Stadt, und namentlich unserer Jugend, der 1. Mai, der Tag, an dem unser Kaiser seinem in Giessen stehenden Regiment- den lange sehnlichst erhoffien Besuch abstattete. Liessen auch die Anordnungen bei der Spalierbildung, an der sich alle Schulen beteiligten, zu wünschen übrig, so hatten doch schliesslich alle unsere Madchen Gelegenheit den Kaiser zu sehen, und es war eine Lust zu beobachten, wie begeistert sie ihm zujubelten, und wie lange die Begeisterung und die Freude in ihren Hlerzen nachzitterten.
Die patriotische Gesinnung, die unsere Schülerinnen durch Beteiligung an der Flottenspende bei Gelegenheit der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares betätigt haben, sollte ihnen eine schöne Belohnung eintragen. Im allerhôchsten Auftrage wurde der Schule von dem Ober-Hofmarschallamte ein Gedenkblatt mit den eigenhändigen Namensunterschriften des Kaisers und der Kaiserin überreicht, das für alle Zeiten einen Schmuk unseres Schulhauses bilden wird,
Vor einem Jahr hatten wir sicher gehofft, heute über die Einweihung unseres Neubaues berichten zu können. Wir häâtten uns so gern dieser Müuhe unterzogen, sie ist uns aber immer noch erspart geblieben.
Von Schülerinnen und Freunden hat unsere Anstalt auch in diesem Jahre eine stattliche Reihe von Geschenken erbalten. Wir sagen den freundlichen Gebern hier nochmals herzlichen Dank. Ganz besonders sei uch einmal an dieser Stelle dem Tierschutzverein gedankt. Er lässt schon seit langem alljährlich zu Weihnachten allen unseren Schülerinnen einen Tierschutzkalender uberreichen, der wegen seines gediegenen Inhalts und seiner hübschen Ausstattung stets schr begehrt ist und sicherlich der guten Sache nütæt.


