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französischen Sprache nach Lausanne und Paris und wurde Ostern 1898 an die Städt. Hohere Maädchenschule zu Stargard i. Pomm. zur Vertretung berufen und im Herbst desselben Jahres als ordentliche Lehrerin daselbst angestellt. Im Januar 1902 wurde ihr ein halbjahriger Urlaub be- willigt, den sie teils in London verlebte, danach dazu benutzte, in dem Staatsturnkursus zu Berlin das Examen als Turnlehrerin zu machen. Am 1. Januar 1905 wurde sie als Nachfolgerin von Prl. Amend an unsere Schule berufen.
Der Gesundheitszustand des Kollegiums liess im vergangenen Schuljahre ausserordentlich zu wúnschen übrig. Schon vor Schluss des Schuljahres 1904/5 und für die ersten Tage des jetzt abgeschlossenen musste Frl. M. Birnbaum auf arztlichen Rat Urlaub nehmen. Herr Haber hatte kaum seinen Dienst bei uns angetreten, als er wegen Krankheit 14 Tage fehlen musste. Herr Lehr, dessen Gesundheit im Winter 1904/5 sehr zu wünschen übrig gelassen hatte, nahm Urlaub von Ostern bis zum Wiederbeginn des Unterrichts nach den Herbstferien. Er wurde während dieser Zeit durch den Schulgehilfen Hofmann vertreten. Leider erkrankte er Ende Oktober von neuem und musste bis zu seinem Wieder. eintritt nach den Weihnachtsferien vom Kollegium vertreten werden, das sich leider mittlerweile an ein gehöriges Mehr von Arbeit hatte gewöhnen müssen. Prl. Welcker hatte zur Besserung ihrer Gesundheit Urlaub erhalten von Ostern bis Pfingsten, der aber bis zu den grossen Ferien verlängert werden musste. Mit Ausnahme der Zeit vom 24. Juni bis 5. August, wo Frl. Seib für sie eintrat, wurde sie vom Kollegium vertreten.
Am 13. Juli erkrankte Frl. von Kress. Der ihr erteilte Urlaub und die grossen Ferien reichten zu ihrer Wiederherstellung nicht aus; erst nach Ablauf ihres Nachurlaubs am 1. Dezember wurde sie wieder dienstfähig. Ihren Unter- richt versah das Kollegium.
Am 12. Dezember begab sich Frl. M. Birnbaum wegen Blinddarment- zundung in klinische Behandlung. Die Hoffnung, dass sie nach glücklich über- standener Operation ihren Dienst bald würde wieder aufnehmen können, erwies sich als trügerisch. Bei dem Versuch, den sie in der zweiten Hälfte des Februar machte, ihren Unterricht wieder aufzunehmen, versagten ihre Kräſte, und sie musste bis zum Schluss des Schuljahres beurlaubt werden. Ihren Unterricht versah das Kollegium, das neben all diesen Vertretungen grossen Stils des öſteren vorübergehend Erkrankte zu vertreten hatte. Dass unter so schwierigen Ver- haltnissen der Unterricht in seiner vollen Form nicht aufrecht erhalten werden konnte, muss mit Bedauern festgestellt werden. Die Bereitwilligkeit aber und Opferwilligkeit des Kollegiums verdient alle Anerkennung. Leider liess es sich nicht vermeiden, einzelne Schultern besonders stark zu belasten.
Zu unserem grossen Bedauern hat die Genesung der Frl. Weiss noch immer keine hinreichenden Fortschritte gemacht, sodass während des ganzen Jahres Frl. Steinbach ihre Stelle weiter versah.
Der Gesundheitszustand unserer Schülerinnen war nicht besser als in fruheren Jahren. Die auf ärztliche Zeugnisse gestützten Gesuche um Befreiung von einzelnen Unterrichtsfachern mehren sich von Jahr zu Jahr in beängstigender Weise. Leider haben wir, wenn auch nur vereinzelt, die Beobachtung machen mussen, dass mit dem Entgegenkommen der Schule Missbrauch getrieben wird, denn als Missbrauch müssen wir es entschieden bezeichnen, wenn die auf Ver-


