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ihre Sitten und Unsitten und schlagen dabei oft einen volks- tümlichen Ton an;„und diese Farbe steht Nithart um so natürlicher, als ihre Grundlage und Veranlassung sicher in der ländlichen Volkspoesie zu suchen ist; die Bauern in Oesterreich und dem Kuhländchen besitzen heute noch Kirms- lieder und Lieder zum Spotte über Kleideraufwand, die sich der Weise Nitharts kaum enger anschliessen könnten“ ¹). Auch die Melodien seiner„sommerlichen Angertänze“ treffen zuweilen in glücklicher Weise den Volkston. Zu viel Ehre wird ihnen jedoch angethan mit der Behauptung, dass sie sich„ebenso durch Deutschland Bahn brachen, wie in unserem Jahrhundert die Walzer von Strauss und Lanner“ ²). Die Weisen dieser Meister erklingen auch dem Laien wie aus einem Guss geschaffen; Neidharts Melodien, sowie die der meisten anderen Minnesänger sind aber zusammengesetzt aus verschiedenen und verschiedenartigen Bruchstücken von Volks- liedern und Kirchengesängen, vermischt mit Zuthaten eigner Orfindung. Dass bei dieser Art des Componierens, die üb- rigens damals gang und gäbe war, nicht viel Erspriessliches entstehen konnte, liegt auf der Hand.
Unter 39 von mir untersuchten Neidhardschen Weisen finden sich 7 in denen vorübergehend, teils bei Beginn, teils in der Mitte, teils am Ende der Melodie frisches Leben pulsiert³), um sich leider bald wieder in nichtssagende Wendungen zu verlieren, oder nach der charakterlosen gre- gorianischen Gesangsweise hin zu neigen. Die Verwandt- schaft mit dem gregor. Choral ist überhaupt in den meisten Minnesängermelcdien nachzuweisen. Eine feinere, die innere Bewegung der Melodie belebendé Rhytmik findet sich nur in kurzen Anläufen vor und ist stets als bei dem Volkslied erhobene Anleihe aufzufassen. Kommen wie z. B. bei Witz- law(1302— 1325) und dem Wolkensteiner(1367— 1445) ganze
¹) Wackernagel über Nithart in V. d. Hagen's Minnesängern.
²) W. Scherer, Geschichte d. deutschen Litter. S. 213.
³) Hierhin rechne ich:„Mei hat wunniklich entsprozzen“. „Ir schouwet an den lenzen gout“. „Der summer kumt mit richer wat“. „Allez, daz den summer her in vröuden was“. „I'n gesach die heide nie“ „Der mei hat manik herze hoch ersteiget“. „Winter, dir ze leide gruenet schon der anger“.


