Jahrgang 
1901
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5a und 5b. 5c und 5d, die offenbar zu einem und demselben Lied gehören, lassen sogar die Anwendung eines eintaktigen Motivs erkennen, das allerdings in seiner stetigen Wieder- kehr um so unbeholfener und ermüdender wirkt, als sich ihm auch noch innerhalb seiner Grenze die Tonwiederholung zugesellt, die übrigens, in Verbindung mit anderen Merk- malen, als ein untrügliches Zeichen echten Volksgesangs zu betrachten ist.

Demselben Zeitraume mag auch, weil auf derselben Entwicklungsstufe stehend, die Volksmelodie: l'homme arméi) angehören, die von den bedeutendsten Tonsetzern des 14. Jahr- hunderts als cantus firmus in ihren contrapunktischen Ar- beiten verwendet wurde. Sie hat den typischen Tongang der gregorianischen Weise verlassen und zeigt eine ausge- sprochen liedmässige Melodik. Bei dem energischen Auf- und Absteigen der Melodie, die selbst vor dem Ergreifen der weiter liegenden Intervalle, wie Quinte und Oktav, nicht zurückschreckt, übersieht man gern das Hilfsbedürftige, was noch in ihrer Formlosigkeit und den engtaktigen, rhytmisch monotonen Motiven zu Tage tritt, die in ihrer steten Re- produktion das ganze musikalische Material erschöpfen. Einen ganz bedeutenden Schritt nach vorwärts weist die nächste Volksmelodie auf²), die nach Kiesewetter dem 13. oder 14. Jahrhundert angehören mag. Hier tritt uns zum ersten Male die liedmässig geschlossene, auf der regelmässigen Zweiteilung beruhende, symmetrische Gliederung einer Me- lodie entgegen, die wir als die kleine achttaktige Periode erkennen, wenn wir den vorgeschriebenen ¼ Takt in ¼ Takt umwandeln. Die erste aus zwei Motiven(a und b) bestehende Phrase vereinigt sich mit einer rhytmisch und melodisch umgebildeten zweiten zu einem kleinen viertaktigen Sätzchen; Phrase drei und eins, erstere mit einem wirksamen neuen Motiv(c) bilden den Nachsatz der kleinen achttaktigen Periode, die heute noch als selbständige Kunstform in vielen kleinen Volksliedern, z. B.: Es steht ein Baum im Oden- wald etc.; Ueb' immer Treu und Redlichkeit etc., Verwendung gefunden hat. Und noch auf eine andere instinktiv ange- wandte Gesetzmässigkeit in dieser Melodieformung sei hin-

¹) Beilage No. 6. ¹) Beilage No. 7: Dieu quel mariage.