Jahrgang 
1901
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Die Gegenüberstellung dieser Melodie mit den Parallel- stellen der alten Vipo'schen Sequenz(Codex Einsiedl, nach Schubiger No. 60 ¹) zeigt, wie fest diese Gesänge sich dem Gedächtnis des Volkes eingeprägt haben mussten, dass sie noch nach Jahrhunderten, wenn auch gekürzt, und mit manchen Varianten, als religiöse Volkslieder weiter lebten.

Auch die Melodie der berühmt gewordenen Notker'schen

SequenzMedia vita hat mit der noch im evangelischen Kirchengesang fortlebenden jüngeren volkstümlichen Fassung

einige Berührungspunkte aufzuweisen. Eines alten Pfingst- liedes gedenkt schon Bruder Berthold in einer seiner Pre- digten:Waent ir hêrschaft, daz der kyrleise durch gestüppe ²) erdaâht si, der da sprichet:

biten wir den heiligen geist

umb den rehten glouben allermeist,

daz er uns behüete an unserm ende

sO wir heim suln varn üz disem ellende.

Kyrieleis.

Ez ist gar ein nüz sanc, ir sult ez iemer dester gerner singen unde sult ez alle mit ganzer andâht unde mit innigem herzen hin ze gote singen unde rufen. Ez war gar ein gut funt unde ein nüzer funt, unde er was ein wiser man der daz selbe liet von êrste vant ³). Der Ursprung dieses Liedes ist, wie der vonChrist ist verstanden, nach Text und Melodie) in die Mitte des 12. Jahrhunderts zu verlegen. Aus derselben Zeit stammt wahrscheinlich auch das alte Wallfahrtslied:

In Gottes namen faren wir. seiner genaden begeren wir, das half uns die gottes krafft, und das heylige grab,

da gott selber inne lag. Kyrieleis).

Dass zu jener Zeit solche deutsche Lieder vom Volke allgemein gesungen wurden, bestätigt ein Propst Gerhoch von Reichersberg, der um 1147 in dieser Hinsicht von uy) Musik-Beilage No. 3.

) d. h.um nichts willen.

³) Fr. M. Böhme, Altdeutsches Liederbuch No. 552, 567.

4) Beilage No. 4.

) Böhme, No. 568.