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schrift erhalten, aber noch nicht entziffert ist ¹). Es lautet in seiner ersten Strophe:
Unsar trohtin hat farsalt
sancte Péôtre giwalt,
daz er mac ginerian
ze imo dingénten man.
Kyrie eleison, Christe eleison!
Übertragen:
Unser Herr hat übergeben
Sankt Peter die Gewalt,
dass er kann bewahren
den zu ihm hoffenden Mann.
Herr erbarme dich, Christe erbarme dich*).
Solcher Lieder lebten viele im Munde des Volkes, sie wurden aber nicht aufgezeichnet, infolgedessen vergessen und so können wir uns denn nicht verwundern, dass aus dem ganzen Zeitraum des zehnten und elften Jahrhunderts keine Singweisen deutscher Lieder weiter erhalten ge- blieben sind.
Vom offiziellen Gesange waren diese Lieder natürlich, als gefährliche Neuerungen in einer barbarischen Sprache, anfangs ausgeschlossen. Um so reicher und unaufhaltsamer entströmten sie dann der sangesfrohen Brust bei Bittgängen, Heiligenfesten, Kirchweihen, Heerfahrten und anderen ausser- kirchlichen Anlässen. Erst in dem zwölften Jahrhundert bequemt sich die Kirche, ihnen Einlass in die heiligen Hallen zu gewähren und bei besonders feierlichen Gelegen- heiten wird dem Volk gestattet in den Gesang der Sequenzen mit einem deutschen Liede einzugreifen. Damit hat sich das Volk der passiven Rolle, die ihm die Kirche beim Gottes- dienste aufgezwungen, entäussert und nimmt mehr selbst- thätigen Anteil an der Verehrung Gottes und seiner Heiligen.
So sang man nach der Sequenzmelodie:„Victimae
paschali landes“: Christ ist erstanden,
von der marter alle,
des soll wir alle fro sein, christ sol unser trost sein. Alleluja.
¹) Von Docen in einer Freisinger Handschrift des 9. Jahrhunderts aufgefunden.
¹) K. S. Meister, Das kathol. deutsche Kirchenlied. Freiburg 1868.


