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leben. Ambros weist darauf hin, dass„die Schlüsse der Notker'schen Sequenzen eine Khnlichkeit haben mit den regellos schweifenden Melodien der Alphörner“ ¹) und H. Szadrowsky findet in manchen Compositionen Notkers Melodiewendungen,„die auffällig an die Alphornweise er- innern.“ ²). Er hat im Appenzellerland vielmals singenden Geisbuben längere Zeit zugehört und zu seiner UÜberraschung entdeckt, dass dieselben Notker'sche Sequenz-Schlüsse jodeln, dass sie den jetzt noch lebenden Jodler- und Alphornfiguren gleichen und von den alten Bergbewohnern der Schweiz als Jodelfiguren, überhaupt als Volksgesang gesungen worden seien ²). Eine interessante Gegenüberstellung des Sequenz- Schlusses aus dem Notker'schen Cantus paschalis und der bekannten Alphornweise bestätigt dies ⁵).
Ein sequenzähnlicher Gesang in deutscher Sprache war der Gesang„auf den heiligen Gallus“, dessen nach je fünf Zeilen wiederkehrende Melodie von so aussergewöhnlicher Lieblichkeit gewesen sein soll, dass ihn Eckehard IV. zur Zeit, wo er zu veralten drohte, ins Lateinische übersetzte, „damit so süsse Töne wenigstens in dieser Sprache noch gesungen werden könnten“ ⁵). Leider ging der Urtext schon vor Jahrhunderten verloren.
Je grösser im Volke das Bedürfnis nach solchen reli- giösen Gesängen wurde, desto mehr wuchs die Zahl der in- deutscher Sprache gedichteten Lieder und desto mehr näherten diese sich der einzig volksmässigen Form: der strophischen Abteilung, die in den lateinischen Sequenzen noch nicht so durchgeführt war, dass sie eine Strophenart festhielten. In dieser Form begegnet uns das älteste bis jetzt bekannte deutsche Kirchenlied, aus dem 9. Jahrhundert: stammend, dessen Singweise zwar in einer neumierten Hand-
¹) Geschichte d. Musik, II, 112.
²) H. Szadrowsky„Die Musik u. die tonerzeug. Instrumente der Alpenbewohner“. Bern 1868.
³) Der weiteren Schlussfolgerung Szadrowsky's, dass Notker die Schlüsse seiner Sequenzen diesen Volksweisen entlehnt habe, vermögen wir uns nicht anzuschliessen; die umgekehrte Annahme, wie sie Max Seiffert in der Vierteljahrschr. f. Musik-Wissensch. 1891 vertritt, hat viel mehr Wahrscheinlichkeit für sich.
4) Beilage No. 2.
⁵) P. Anselm Schubiger, Die Sängerschule zu St. Gallen. S. 38.


