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lichen Liedes wenig förderlich war, ja, sich ihr geradezu hemmend in den Weg stellte. Vielleicht aber auch muss man ihr ein negatives Verdienst in Bezug auf den lang- samen, aber steten Fortschritt des Volksgesangs insofern zu erkennen, als sie dem Volke an tausenden von Beispielen ihrer choralartigen Satzform zeigte, wie es nicht gestalten sollte.
Durch römische Sänger, durch die Gründung von Sänger- schulen zu Eichstädt, Fulda, Würzburg u. a. O., durch die persönlichen Bemühungen Karls des Grossen, der seinen durch das Band eines und desselben Glaubens verbundenen Völkern auch einen einheitlichen Kirchengesang geben wollte, gelang es allmählich, wenn auch nach Ueberwindung grosser Schwierigkeiten, dem Gregorianischen Gesang immer mehr Eingang bei dem deutschen Clerus zu verschaffen. Damit war denn auch sein Einfluss auf das Volk gesichert, dem ja jede öffentliche Bethätigung seiner angeborenen Sanges- lust in weltlichen Liedern durch kirchliche Verbote benommen war. Und noch mehr: Die wesentliche Verschiedenheit christ- lichen und germanischen Gesangs, sowie die Ungefügigkeit der germanischen Kehlen gaben Anlass, auch seine Teilnahme am Kirchengesang auf ein nur bescheidenes Mass einzu- schränken.„Kyrie eleison“,„Christe eleison“ und„Alle- lujah“ waren die einzigen kurzen Rufe, die die Volksmenge beim Gottesdienst im Chor erschallen lassen durfte. Diese anfänglich rein syllabischen Rufe ¹) wurden im Munde des Volkes bald umgestaltet und zwar so, dass sich auf den Vokalen der einzelnen Textsilben die Töne„in bunter Mannig- faltigkeit zu ganzen Reihen und Gesängen, zu Coloraturen und Figurationen“ ²) ausdehnen konnten ³). Die einzige Ge- legenheit, seinen frommen Gefühlen, seiner Freude und Be- geisterung, seiner innigen Hingebung Ausdruck zu verleihen, machte das Volk von diesen melismatischen Gängen— Jubilationen genannt— ausgiebigen Gebrauch. Bei allen festlichen Gelegenheiten, bei Wallfahrten und Heerfahrten, als Freudenrufe aus dem Munde der Kinder, Landleute, Hirten und Schiffer vernahm man die zu Volksgesängen
¹) Musik-Beilage Nr. 1a. ²) Ambros Geschichte der Musik II. S. 61. ²¹) Vergl. Musik-Beilage No. 1b.


