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„Auf der„Lyra“ der Welsche, der Deutsche sing dir zur „Harfe“,
„Verschen“ weihen wir dir, die deutschen Gesänge dir 1„Lieder“ ¹).
Die Begleitung bestand nur im Angeben einzelner Haupttöne, bestenfalls im Mitspielen der Melodie; eine accord- liche Begleitung in unserem heutigen Sinne kannte man noch nicht.
III.
Eine bedeutsame Wendung im deutschen Volksgesange trat ein, als der in der Kirche gepflegte Gregorianische Gesang seinen Einfluss auch ausserhalb seiner ursprünglichen Machtsphäre geltend machte. In der vorkarolingischen Zeit beginnend, laufen die beiden verschiedenen Methoden des germanischen und römischen Gesangs, d. i. des Volks- und Kirchengesangs, nebeneinander her, eine die andere durch- dringend und umgestaltend. Dabei ist es natürlich, dass der von den kirchlichen Oberen und ihren weltlichen Freunden protegierte Kirchengesang eine Zeitlang die Oberhand behält. In diesem Zeitraum kommt Poesie und Gesang nicht von unten, von dem Volke, sondern von oben, von der Geistlich- keit und anderen Gebildeten.
Da die Gesänge aber für das Volk bestimmt sind und von ihm auch begierig aufgenommen werden, weil es seine Sanges- lust auf keine andere Weise bethätigen durfte; da sich ausser- dem aus den kirchlichen Gesängen volkstümliche Weisen ent- wickelten, so müssen wir auch diese Gesangsmethode in den Kreis der Betrachtung ziehen.
Melodisch basierte der Gregorianische Gesang auf den sogenannten Kirchentönen. Es sind das acht verschiedene Tonarten des diatonischen Tongeschlechts, die durch die verschiedene Rückung der Halbtöne einen von der Pentatonik wesentlich verschiedenen Charakter tragen. Sie sind dadurch entstanden, dass man auf den Tönen d, e, f, g eine Tonart anfing und weiterführte, ohne andere Halbtöne als die zwischen e—f und h-c sich befindenden eintreten zu lassen. Ihre Bezeichnung geschah in den frühesten Zeiten mit acht, dem lateinischen und griechischen Alphabet entnommenen Buch- staben, später durch die römischen Ziffern I bis VIII.
¹) Bruinier, Das deutsche Volkslied. S. 61.


