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deren überwiegend lyrische Momente dem subjectiven Empfin- den des Einzelnen, der nunmehr mit seinen eignen Regungen und selbständigen Handlungen in den Vordergrund tritt, am meisten entgegenkamen.
Eine Eigentümlichkeit der alten Volkslieder war der Kehrreim. Ein Vorsänger trug eine Liedstrophe, ein Anderer die zweite, ein Dritter die nächste u. s. w. nach einer be- kannten Melodie vor, während die Menge am Schlusse, oder in den Pausen des Vorsängers einfiel und einzelne Worte, eine Verszeile oder die ganze Strophe wiederholte. Bis auf den heutigen Tag ist diese Vortragsweise bei uns nicht ganz ausser Uebung; sie ist so alt wie die Volkslieder selbst, und darf als vorhanden gewesen auch für die frühesten Erzeug- nisse der Volksmuse angenommen werden. Der Ursprung des Refrain mag in dem Bestreben nach einer musikalischen Abrundung, in dem dunklen Drange nach einer geschlossenen musikalischen Form zu suchen sein, die uns später als Lied- form entgegentritt.
Ueber die Frage nach einer instrumentalen Begleitung der Lieder ist folgendes zu sagen: Wurde das Lied vom Volke im Chor gesungen, so ertönte es ohne Begleitung, sang es aber ein Einzelner vor dem Volke, sodass die ver- sammelte Gemeinde ihre Teilnahme nur durch refrainartige Wiederholungen bekundete, so mag dieser Einzelgesang von einem Instrumente begleitet gewesen sein. Jeden- falls war das die mit Darmsaiten bezogene Harfe oder Rotta; wenigstens wird sie von Alters her als das National- Instrument der Germanen angesehen. Jornandes erwähnt in seinem Bericht die Thatsache, dass die Gothen die Thaten ihrer Vorfahren in Liedern zur Harfe gesungen hätten und Fétis sagt,„dass dieses Instrument als einziges bei den Skandinaviern— einen Zweig der germanischen Familie— zur Begleitung des Gesanges im Gebrauch gewesen zu sein scheine“*¹¹).
„Den Welschen des frühen Mittelalters erschien, die Harfe, deren Namen ja auch ganz germanisch ist, als echt- deutsch, wie die Worte erweisen, mit denen sich Venantius Fortunatus(gegen Ende des 6. Jahrhunderts) an den Herzog von Aquitanien wendet:
¹) Fétis,„Histoire“, tome IV, p. 459.


