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und Interjectionen, wie etwa die Anrufe im altlateinischen arvalischen Festlied aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. zum Lobe der Dea Dia ¹). Später mögen diese stoss- weisen Aus- und Anrufe in einen mehr singenden, rhytmisch sich hebenden und senkenden Ton übergegangen sein, wie wir ihn heute noch bei Kindern am Schlusse ihrer lustigen Spiellieder zu hören bekommen und wie er auch bei ver- schiedenen wilden Stämmen, z. B. den Ashantees beobachtet worden ist. Der im Affect zum Gesang gesteigerte Sprech- ton bewegte sich dann in eigenartigen Stimm-Modulationen, die, je nach der Art der Gefühle, in Jubel oder Lamentation ausklangen und sich dementsprechend enger oder weiter liegender Stufen bedienten. Vielleicht sind sogar hier— ähnlich wie bei den von Baker in grösserer Anzahl auf- gezeichneten Indianerweisen und den signalmässigen Rufen der Athiopier— die ersten Anläufe zur Benutzung der natürlichen Intervalle Grundton, Terz und Quinte zu suchen. Denn wenn auch von einem strengen Einhalten des Inter- vallen-Verhältnisses noch nicht die Rede sein kann, so ist es doch gewiss, dass die betreffenden Tonentfernungen in der seelischen Organisation des Menschen, in Gefühl und Gehör, begründet liegen und nicht erst, wie man gern anzu- nehmen geneigt ist, durch theoretische Untersuchungen in viel späterer Zeit erfunden worden sind. Dass wir uns die bei den religiösen Aufführungen gesungenen Lieder, jeden- falls aber auch die meisten anderen, in Verbindung mit dem Tanze zu denken haben, ist leicht ersichtlich, da wir diese Gepflogenheit bei allen noch auf der Kindheits- und Jünglings- stufe der Bildung stehenden Völkern antreffen. Wie lange übrigens die Vorliebe der Deutschen zu religiösen Tänzen angehalten hat, wie sie selbst unter den Christen lange nicht unterdrückt werden konnten und von manchem ehrwürdigen Kirchenvater zugelassen werden mussten, werden wir später erfahren. Der Gesang muss bis in die ersten Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung auf einer sehr niedrigen Stufe gestanden haben. Das beweisen die Auslassungen einzelner römischer Schriftsteller. So vergleicht der Kaiser Julian den Gesang der Deutschen mit dem Geschrei wilder Vögel
¹) R. Koegel, Gesch. d. deutsch. Litter. Bd. I.


