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Während die Gallier in der Schlacht lautlos vorrücken und es ihren Barden überlassen, feierliche Gesänge anzu- stimmen, stürzen die Deutschen unter begeisternden Zurufen in die Reihen der Feinde. Ihre Siege feiern sie in wilden Gelagen mit Sang und Geschrei, dabei den Ruhm ihrer Vor- fahren und Helden preisend; bei ihren Opferfesten und anderen feierlichen Anlässen, Eheschliessungen, Leichenfeiern u. ä., ertönen ihre Weisen. Johannes Turmair, genannt Aventinus, berichtet in seiner Chronik ¹) sogar von Lob- und Schandliedern, die in altersgrauer Vorzeit vom Volke bereits gesungen worden sein sollen. Er schreibt:„Und nachdem unser erster Künig, der Teutsch, geordnet het, das man zue belonung der tugent die guethait der frummen zue raizung der nachkommen mit ewigem lob und gedechtnus vergält, lieder davon macht und offentlich säng: hat weiter diser künig Laber ²) gesetzt und gepotten, das man auch von denen, die unrecht und pöse stuk tuen, damit si sich schambten und pessreten, lieder macht, dieselbigen überal und nemlich bei der nacht offentlich auf den gassen vor den heusern säng, so man das liecht aufkent het, darumb man dan auch solche gesüng„liechter“ und„liechtl“ nent..... und solche lieder haissen wir noch„laberer“. Aber die geweltigen verpoten mit der zeit solchs, mochtens in die leng nit leiden, forchten es käm zuelest(als dan geschach) auch an si.“— Um von dem Naturgesang unserer Vorfahren ein annähern- des Bild zu erhalten, sind wir, neben wenigen historischen Zeugnissen, auf Vergleiche und Folgerungen angewiesen, die sich aus Betrachtungen über die Gesänge anderer Natur- völker ergeben. Hierzu sind wir wohl um so eher berechtigt, als ja bei den meisten von ihnen die Götter- und Helden- verehrung den äusseren Anlass zur Erhebung im Gesang bildet, während anderseits der musikalische Instinkt, unge- achtet zeitlicher, örtlicher und klimatischer Verhältnisse, im Menschengeiste begründet liegt.
Jedenfalls waren die germanischen Schlachtgesänge nichts anderes als herausfordernde, anfeuernde Ausrufe,.die den eigenen Mut steigern und den Feinden Furcht einjagen sollten; ihre Opfergesänge leidenschaftliche Gefühlausbrüche
¹) Herausgegeb. von Dr. M. Lexer, Bd. I. S. 254. München 1886. ²) Laber, ein bayerischer König.


