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Am 10. Juli 1900 beehrte Herr Ministerialrat Eisen- hut unsere Anstalt mit seinem Besuch.
Durch Allerhöchstes Dekret wurde Herr Oberbürger- meister Gnauth zum Präsidenten des Ministeriums der Finanzen ernannt. Als Vorsitzender des Kuratoriums hat er sich unserer Schule stets aufs wärmste angenommen. Wir verlieren in ihm einen aufrichtigen Gönner.
Die Gesundheit unserer Schülerinnen im verflossenen Schuljahr hätte vielfach besser sein dürfen. Einige Wochen vor Weihnachten hatten besonders die unteren Klassen so stark unter den Masern zu leiden, dass mitunter die Hälfte der Schülerinnen und mehr gleichzeitig fehlten. Auch einzelne Fälle von Diphtheritis, Keuchhusten und Scharlach kamen vor; glücklicherweise aber nahmen alle Krankheiten einen günstigen Verlauf, so dass wir, trotz der vorüber- gehend gesteigerten Sterblichkeit der Kinder in unserer Stadt, keinen Verlust zu beklagen haben.
Die Gesamtzahl der von beiden Schulen in diesem Jahre ausgeführten Spaziergänge, einschliesslich der von den oberen Klassen gemachten Tagesausflüge, beträgt 84. Die Klasse I betrieb wie in früheren Jahren das Tennis- spiel. In die Aufsicht teilten sich Frl. Zimmermann, Birnbaum, Amend, Weiss.
Wegen zu grosser Hitze musste vor den Herbst- ferien der Unterricht mehrfach verkürzt werden. Unmittel- bar nach Neujahr konnten mehrere Nachmittage zum Eis- laufe freigegeben werden.
An Grossherzogs und Kaisers Geburtstag fanden die üblichen Schulfeiern statt. Bei ersterer sprach Herr Lehr über die Grossherzogin Mathilde, Gemahlin Ludwigs III., bei der letzteren Herr Dr. Bergér über die Erhebung Preussens zum Königreich.
Das zur Weihnachtsfeier für Mädchenschulen bestimmte Werkchen„Bethlehem“, Dichtung von Johanna Siedler, Composition von Albrecht Brede, hatte unmittelbar vor den Weihnachtsferien aufgeführt werden sollen. Leider erkrankte unser Gesanglehrer, und so musste die Auf- führung verschoben werden. Sie fand am 8. Februar,


