Trotz aller Anfeindungen, die der grosse Mann in seinem langen Leben erfahren hat, vom ersten öffentlichen Auftreten an bis über den Tod hinaus, trotz aller Niedrig- keiten, Schmähungen, Schwachheiten, Mattigkeiten und Erbärmlichkeiten, die Ausland und, leider— denn das empört und schmerzt am meisten— leider auch Inland sich ihm gegenüber haben zu Schulden kommen lassen — trotz alledem braucht sich nun ja unser deutsches Volk nicht zu schämen; es hat ja doch in seinen besten Be- standteilen, da wo Vernunſt, Einsicht und grosser Sinn noch wohnen, seinen Kaiser an der Spitze, dem alten Kanzler Ehren bezeugt, Achtung bewiesen und eine Liebe entgegengebracht, wie das kaum einem zweiten Grossen je widerfahren ist. Schande auch dem Volke, das seine grossen Männer nicht ehrt!— Und auch die Art dieser Ehren- und Liebeserweisungen war die richtige: nicht nur die Thaten des Mannes sollten bewundert und gepriesen werden, nicht nur die Gedanken, die Grundsätze, die er vertrat— hier gerade konnte ja am ersten von einer Gegnerschaft die Rede sein— nein, gerade die einzige Persönlichkeit musste allgemeine unmittelbare Bewunderung, Ehre und Liebe erfahren: hier war sicherlich der„Kultus der Person“, die höchste und zarteste Verehrung des Menschen und alles dessen, was Beziehungen zu ihm hatte, durchaus berechtigt und am Platze, wie sich's eben allen wahrhaft grossen Geistern gegenüber, auch in Bezug auf ihr persönliches Leben, geziemt und gehört!—
Wir werden hierin nicht leicht zuviel thun. Denn dessen dürfen wir wahrhaftig versichert sein: die Gestalt dieses Mannes wird nicht kleiner werden nach seinem Hinscheiden; diese Gestalt wird in den kommenden Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten wachsen und wachsen, in Geschichte und endlich, solange noch eine menschliche Phantasie dichtet und gestaltet, in der Sage und Poesie unseres Volkes. Das Zeitalter des lebenden Bis- marck ist zu Ende— das Zeitalter aber seines Geistes noch lange, lange nicht!——
Und nun treten wir an das Grab unseres Bismarck.


