— 9—
Seine Sprache, seine Reden sind ein sprudelnder Quell, aus reichster Gedankentiefe entsprungen, die denkende Sprache selbst wieder erfrischend und befruchtend. Er war ein überlegener Geist, mit einem Worte!—
Daneben aber erscheint in ihm ein Wille, wie er selten mächtiger in dieser Welt gewirkt hat. Bismarck ist ein Willensmensch, ein Mann der That gewesen, sein ganzes Leben hindurch. Wo ein solcher Wille den ganzen Menschen ausmacht, da bildet er sich in der schroffsten entschiedensten Form aus: das sind dann die Herrscher- naturen der Erde. Da ist Leidenschaftlichkeit im Erfassen und Halten, in Liebe und in Hass, da ist ungestümer Thatendrang und kraftspannendes Zurückhalten, da ist rücksichtsloses Zugreifen und Durchgreifen. Und so hat dieser Wille in der Welt geherrscht: vernichtend und zer- störend, niederwerfend und abstossend; aber derselbe Wille ward auch in die Bahnen geleitet, wo es galt auf- zubauen, neuzuschaffen. Dieser ungestüme Charakter, seine Mitwelt an elementarer Gewalt überragend wie ein Held aus alten halb-sagenhaften Zeiten, er hat sich selbst gezwungen in die Wege des Schaffens und Wirkens zum höchsten Guten: kein Napoleon, ein Reichszer- störer, ein Völkerzerschmetterer— sondern eben ein Bismarck, ein Völkervereiniger, ein Reichsgründer! Ein Charakter, gross, übermenschlich gross und gewaltig!—
Und wie seltsam— oder wie deutsch!— in der- selben Brust, die von treibendem und drängendem Willen durchzittert ward, war doch ein stilles Kämmerlein ge- blieben: ein urdeutsches tiefes, Ruhe verlangendes und Ruhe gewährendes Gemüt war da verborgen. Unser Bismarck kannte, liebte und schätzte alle jene Gaben, die eine friedevolle Weltauffassung mõglich machen, wie sie in der Brust des Weibes, in der Brust auch des Dichters erblüht. Die zarte Liebe zu der treuesten Gattin, die innige Neigung zu den ihn umgebenden Verwandten, namentlich auch zu den Enkelkindern; die schöne Häus- lichkeit der Familie Bismarck— dies alles fand in seinem


