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zahllosen Zügen, Rat, Trost und Erquickung suchend, Freude und Begeisterung dorthin tragend und von dort wieder zurückbringend.— Und so ist es geblieben bis zu jenem 30. Juli!—
Bismarck aber auch eine grossartige Persöunlich- keit! Alles an ihm und in ihm ging ja ins Kolossale.— Ver- gegenwärtigen wir uns nur seine àussere Erscheinung! Die wuchtige Gestalt, der mäâchtige Kopf, die grossen blitzenden Augen, das ungeheure Mannesbild, ob er im Kürassierrock einherging, den Stahlhelm auf dem Haupte, den Pallasch an der Seite, oder im schlichten dunkeln Anzuge mit der weissen Binde, dem breiten Schlapphut — wie er auf tausend Bildern erscheint, wie er in vielen Städten aus Erz gegossen dasteht, alles Menschliche über- ragend.— Und so war er grossartig auch nach der geistigen Seite: ein ungeheurer Verstand, ein unbezwinglicher Wille, ein unerschöpfliches Gemüt!—
Wie er's in Hunderten von Redeschlachten, in un- zähligen politischen Aktenstücken, in zahllosen Verhand- lungen, in tausend Hinweisen und Anweisungen bewiesen, war er ein Mann von durchdringendem, allumfassenden Verstande,; scharfsinnig, klug, gescheit; in jedem Augen- blicke völlig im Stande, die Lage zu überblicken, die Tiefe richtig zu bemessen, fähig jederzeit, die Hilfsmittel zur Durchführung seiner Gedanken zu finden. Niemals kam es vor, dass er sich hätte überraschen lassen durch Un- vorhergesehenes. Er wusste immer, die Dinge weiter zu führen. Er übersah ein Riesenfeld mit dem Verstande— und leistete eine Riesenarbeit mit diesem Verstande.— Er war dabei ein Mann von reichster tiefster Bildung, nach den verschiedensten Richtungen hin erfahren und wohl- belesen, durch ein untrügliches Gedächtnis stets in der Lage, Gelesenes und Gehörtes zur Aufklärung der Sache, zur Verdeutlichung des sprachlichen Ausdrucks zu ver- werten; mit einem Wissen ausgerüstet— den besten Kenner der deutschen Geschichte hat ihn ein Historiker in diesen Tagen genannt— das Staunen erregen musste.


