Jahrgang 
1899
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aufjenem bekannten Bilde der Versailler Kaiserproklamation. Und nun weiter Bismarck im neuen Reiche: im Reichs- tage kämpfend und schaffend, in grossen gewaltigen Reden die Menschen bezwingend und angreifend, aber auch an- gegriffen und befehdet gerade von den Volksgenossen; im treuesten Zusammenhalten mit dem Mittelpunkte Euro- pas, seinem alten Kaiser; er selbst in seiner Hand die Fäden der Diplomatie des ganzen Erdteils leitend, ver- knüpfend zum Gewebe des Friedens, das Haupt, der Führer der politischen Welt! Und Friede ist es für uns geblieben bis auf den heutigen Tag. Er stiftet jenes Bündnis, das Friedensbollwerk gegen unruhige, ränke- süchtige Nachbarn, den Dreibund; er sichert unser Ver- hältnis zu dem gewaltigen Herrscher im Osten. Lur selben Zeit, da Deutschlands Handel und Verkehr einen geradezu staunenswerten, einen beispiellosen Aufschwung genommen hat, greift unser Volk unterm Schutze dieses Bismarckfriedens weit hinaus über das Weltmeer hin; unsere Flotte wächst mächtig heran, unsere Kolonien entstehen.

Dann aber jener Tag, da er, nach kurzer Zusammen- arbeit mit dem neuen Herrscher, aus der führenden Stellung geschieden ist, da die beiden hochstrebenden willensstarken Geister sich trennen mussten: der Kaiser und der Kanzler! Tiefe Trauer, angstvolle Unruhe in ganz Deutschland aber bald auch wieder unendlicher Jubel, als er durch die deutschen Lande fuhr, allüberall mit Begeisterung und Rührung empfangen, und endlich, Gott sei Dank, dann auch herzlichste ächteste Freude, da der junge Kaiser den alten Helden aufsuchte in seiner Friedrichsruher Einsamkeit.

Das letzte Bild: der altehrwürdige Greis im Sachsen- walde, ein Hort der Weisheit und Erfahrung; ein Wisser grosser Geheimnisse, ein Orakel politischer Gedanken auch jetzt noch ein Mittelpunkt der Welt! Er war nicht geschieden von seinem Land und Volk; weggegangen war er freilich aus der Welt der Politik aber diese Welt und die Liebe seines Volkes wanderte zu ihm in