Jahrgang 
1899
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6 langt, als dessentreuen deutschen Diener er sich noch auf der eigenen Grabschrift bezeichnet hat, der Mann, der verkannt wurde wie er, der geliebt wurde, wie er: Wilhelm I., der Grosse. Und nun beginnt jene Zeit, wo er, wie ein Recke aus alten Sagen, vor seinem Herrn stehend den Kampf aufnimmt gegen das Volk fast in seiner Gesamtheit zum Wohl und Besten dieses Volkes für die Entwürfe seines Herrn; wo nur eine zähe Aus- dauer, ein alles verachtender Wille, eindemütiges Ver- trauen auf Gott nach seinen eigenen Worten stand zu halten vermochte: die Zeit des Konflikts! Da war er der bestgehasste Mann, der Feind des Volks, der Verfassungs- brecher! Aber es hat sich bald zum Besseren gewendet. Das neugeschaffene Heer siegt in Schleswig-Holstein; Bismarcks Staatskunst hält die Läander Europas im Schach. Und dann sehen wir ihn im Sattel neben seinem Könige auf den Schlachtfeldern Böhmens im deutschen Bruder- kriege, wo mitBlut und Eisen die deutsche Frage gelöst wurde, die Frage, ob Preussen, ob Osterreich der Mittelpunkt eines künftigen deutschen Reiches sein solle mit Blut und Eisen, und nicht mit Reden, Beschlüssen und fruchtlosen Verhandlungen, wie man es bis dahin versucht hatte. Norddeutschland ist geeinigt; wir hören Bismarcks neuen Titel: der Bundeskanzler. Und bald darauf nun der riesenhafte Aufschwung des gesamten deutschen Volkes, von Bismarck herbeigeführt: der mächtige Krieg vom Jahr 70! Wieder dürfen wir durch sein Geschick den Kampf allein mit dem alten Feinde führen und das Hõchste, nur Geahnte, nur Geträumte ist der Lohn;das Unzulängliche hier wird's Ereignis, das Unbeschreibliche hier ist's gethan; ein deutsches Kaisertum deutscher Nation ein deutscher Kaiser der König von Preussen, ein Einheitstaat mit Wissen und Willen der deutschen Fürsten und des deutschen Volkes und dazu die alten deutschen Länder wiedergewonnen und die alten Städte: Elsass und Lothringen, Strassburg und Metz! Der Fürst Bismarck, der Kanzler des deutschen Reiches steht vor uns, mächtig, breit, zuversichtlich, wie