Jahrgang 
1880
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war 1740 dort bei der bekannten Belagerung. Dann aber hatte er es bei den Oestreichern satt und nahm Dienst bei dem Preuſsenkönig. Nach dem Frieden ging er nach London und am Bord eines Admiralschiffes als Bäcker auf drei und ein halb Jahr nach Ostindien. Jetzt hatte er ein paar Hun- dert Thaler in der Tasche und gedachte in seiner Heimath sich ein wenig zu zeigen. Als er aber seine Eltern gestorben fand, verkaufte er sogleich sein Erbtheil für 500 Gulden, ging nach London und brachte sein Geld durch bis zum letzten Heller. Nun wurde er sieben Jahre lang englischer Matrose, versuchte dann sein Glück als Kleiderhändler in Philadelphia, und des Herumschweifens endlich müde und einsehend, daſs sich dort im Bäckergeschäft Etwas gewinnen lasse, kehrte er erst nach London zurück, um dasselbe gründ- lich zu lernen, und lieſs sich dann 1754 in Philadelphia nieder. In wenigen Jahren erwarb er sich durch Fleiſs und Klugheit so Viel, dals er bei dem Beginne des Unabhängigkeitskrieges neun Häuser in Philadelphia, ein Landgut bei Germantown, und 3500 Pfund pennsylvanier Münze besaſs. Dieſs ganze Vermögen opferte er freiwillig für die Freiheit seiner neuen Heimath. Er war der Erste und der niemals Fehlende in den Vereinen zur Unterstützung der Vaterlandsfreunde, sein Rath war immer gut, und sein Muth war immer standhaft. Als einmal General Mifflin freiwillige Beiträge zur Anschaf- fung von Feuerwaffen forderte und die Versammlung über die Höhe der verlangten Summe erschrack und verstummte, da rief Ludwich in seinem gebrochenen Englisch:Herr Präsident, ich bin nur ein Bäcker, aber schreibt hin meinen Namen für 200 Pfund! Das brachte die Sammlung in Gang. Im Frühjahre 1777 wurde Ludwich Oberbäcker und Leiter der Feldbäckerei. Man machte ihm die Bedingung, wie seine Vorgänger für das Pfund Mehl ein Pfund Brod zu geben. Er aber erwiederte zum Erstaunen der Offiziere: Christoph Ludwich gedenkt nicht reich zu werden durch den Krieg, ich gebe euch was Recht ist, 135 Pfund Brod für jedes 100 Pfund Mehl. Von der Zeit an litt das Heer wenigstens an gutem Brod keinen Mangel mehr, soweit Lud-