Jahrgang 
1880
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wich dafür konnte. Auch für das englische Heer backte er, als Cornwallis sich übergeben hatte, auf Washingtons Er- suchen 6000 Pfund Brod. Aber als nun der Krieg zu Ende, war auch Ludwichs Vermögen darauf gegangen, und er hatte kein Bette mehr, sich Nachts zu erwärmen. Sein Fleiſs brachte ihn indessen wieder empor, und als er in seinem achtzigsten Jahre starb, vermachte er 300 Pfund für den Zweck, arme Kinder zu erziehen, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft oder Religion. Ludwich trug seit seines Lebens einen alten Kron- thaler mit sich, als ein heiliges Erbstück von seinem Vater und Groſsvater, und er fühlte sich in der Noth jedesmal ge- tröstet, wenn er das Geldstück ansah. Er lieſs es später in eine silberne Kapsel einfassen, auf welche er eine Bibel, einen Pflug und ein Schwert eingrub mit der Umschrift:Mag die Religion, der Fleils und der Muth eines deutschen Vaters das

Erbtheil seiner Kinder sein. (Aus Fölsing, Vaterlandsfreund 1856.)

Aus der Befreiungszeit(1813).

Die Kosacken kommen! hieſs es und was laufen durfte, das lief, um die fremden Gäste zu sehen. Fremd waren sie an Gestalt, Kleidung, Sitte und Sprache; aber während sie von ihren struppigen Pferden herab mit der Lanze dem Metzger Wurst vom Laden spieſsten, herzten sie die Kinder und gaben den Aeltern den Vater und Mutternamen, und die Kinder freuten sich ihrer.Die Russen kommen! hieſs es wieder. Es waren Reiterregimenter, stattlich und stolz; voran ritten die Spielleute und Paukenschläger und Vorsänger und das ganze Regiment sang mit. Das war ihre Feldmusik. Hinter ihnen kamen ihre Proviantwagen, eine lange Reihe, und dazwischen Heerden von müdem, hungerigen Vieh, ge- führt von bärtigen Russen, angethan mit Kleidern von Schaf- pelz, das Fell inwendig und aufsen starrend von Schmutz. Die Baschkiren kommen! hieſs es wieder und Jung und Alt eilte nach den Fenstern. Das waren keine Soldaten wie die bisher gesehenen. Nur die Lanze hatten sie mit den Kosacken gemein, sonst hiengen Bogen und Köcher über ihren