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kleiner Anfang, aber die Zahl der Zuhörer wurde je länger je gröſser.
Nachgehends wurde zur Uebung für die Candidaten eine Mittagspredigt angeordnet, eine liebliche Music von den Stu- diosis angerichtet und nun auch vom Pfarrer die Kinderlehre dabei gehalten. Anstatt des Läutens ist„ wie oben gedacht, zur Kirche durch die Straſsen getrummelt worden.
Die Häuser von Giefsen um dieselbe Zeit.
Die Häuser von Gieſsen geben keinen spanischen Ueber- muth oder italienische Pracht zu erkennen, sondern sind nie- drig, von Holtz, mit Leimen und Kalk beworfen und mit Zie-
geln gedeckt, haben aber doch wegen der alten Bauart ihr Ansehen u. s. w.
Ueberfall von Giefsen im 30 jährigen Krieg.
Im Jahr 1646 ist eine vereinigte Armee Schweden, Fran- zosen und Niederhessen zwei Mal vor Gieſsen gerückt, und das letztemal, als eben wegen dürrer Zeit wenig Wasser im Wallgraben war, dasselbe zu überrumpeln gesucht, aber von der Garnison und Bürgerschaft tapfer abgeschlagen worden. Worauf die Feinde zwar noch nicht weggezogen, sondern sich gegen Heuchelheim zu gelagert und die Stadt heftig zu beschieſsen und mit Bomben zu ängstigen vorgehabt, jedoch durch göttliche Hülfe ihren Zweck nicht erreichen können. Denn es hat Gott am 14ten Juli ein so groſses Donner-, Hagel- und Schlagregenwetter geschickt, daſs das Wasser tief in allen Feldlagern gestanden und die angebundenen Pferde sich losgerissen und theils in der Lahn sind umge- kommen, theils sonst zerstreut worden, auch die Soldaten selbst bekannt, Gott streite für diese Stadt.
Nun erzählt Dr. Feuerborn: Den 29ten Juli bin ich auf inständiges Bitten des schwedischen General-Feld-Superinten- denten, Herrn M. Michaelis Ludovici, aber doch nicht anders, als mit Consens meines gnädigsten Landesfürsten(Georgs II. der damals in Gieſsen) ins schwedische Feldlager für Gielsen gereiset und die Nacht über in des Herrn Feld-Superinten-


