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1529 acht Tage vor Michaelis kommt Zwingli mit vielen angesehenen Theologen aus Süddeutschland(Oecolampadius, Bucer, J. Sturm) auf dem Weg zum Marburger Religions- gespräch durch Gieſsen.
1539 Anwesenheit Philipps und vieler hoher Fürsten (Moritz von Sachsen, Johann Friedrich Kurfürst u. s. w.) in Gieſsen. Der erste luth. Prediger Greser predigt mit vielem Beifall vor denselben; auch Melanchthon u. a. war da(runter). Die Reise ging nach Frankfurt zu einem Convent. Greser kam später nach Dresden als Hofprediger, wahrscheinlich in- folge dieser Predigt.
1545 führte der deutsche Schulmeister, dessen Stelle aus dem Einkommen des Altars St. Cyriaci errichtet worden war, mit etlichen Bürgern und Bürgerssöhnen das Leben des rei- chen Mannes und des armen Lazarus auf, wofür sie auf dem Rathhaus traktiert und mit 2 fl. Verehrung beschenkt wurden.
Ueber diese geistl. Spiele vgl. Grein, das Alsfelder Pas- sionsspiel, Weigand, das Friedberger Passionsspiel, von dem das erstere herstammt.
Gottesdienst 1645 in der Burgkirche.
Weil die Stadtkirche vor hiesige Gemeinde, besonders zur Kriegszeit, zu enge, hat sich eine groſse Versammlung des Volks in der Burgkirche eingefunden, ohngeachtet man nicht trucken, und nur auf Blöcken, Steinen und dergleichen sitzen können. Anstatt des Geläutes wurde durch die Straſse getrummelt, die Cantzel ward aus dem fürstlichen Saal, worin vormals dem Fürstlichen Hofstaat Sonntags von Dr. Justus Feuerborn und in der Woche dem hierher geflüchteten Land- volk von ihren Pfarrern gepredigt worden, hineingetragen. Der Altar war ein gemeiner Tisch, mit einem alten, schwar- tzen Damast bedecket; der Taufstein war ein gemeines Becken, die Stüle und Bäncke waren Blöcke und Steine, und konnte man, weil das Dach allbereits sehr baufällig, kaum trocken sitzen. Ein Knabe aus der Stadtschul war Vorsänger und trug einen Klingelbeutel herum. War also delsfalls ein


