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Ueber die Stiftung der Universität und die Bemühungen des Landgrafen Ludwigs V, des Getreuen, der die akademischen Privilegien mit vielen persönlichen Opfern erwirkte— er machte zu diesem Zweck auch eine Reise zu Kaiser Rudolf nach Prag— sowie über die Erbauung des Universitätsge- bäudes vgl. Giefser Wochenblatt 1771, S. 89.
Das alte Giefsen(im 16. u. 17. Jahrh.).
Wie die älteren kleinen Städte überhaupt, so nährte sich auch Gieſsen vorzugsweise vom Ackerbau; man baute auch Wein an der Hardt und dem Feld zwischen der Marburger Straſse und Wieseck. Früh blühte aber auch schon die Wollenweberei; damit steht wohl im Zusammenhang der Name Ferbebach(Färbebach), den ein Arm der Stadtbach führt. Philipp der Groſsmüthige mahnte den Pfarrer Orth, der mit der Bürgerschaft wegen Haltung unnöthiger Feiertage im Streit lag, in einem Brief vom 18. Nov. 1563 ab, die Bürger weiter zu belästigen und schreibt:„Ihr wilſst, daſs zu Gieſsen ein arbeitsam Volk ist, als Wolnweber, Fuhr- leut, Ackerleut“(Rommel, Philipp der Gr. II, S. 133). Auch im folgenden Jahrhundert blühte noch die Wollenweberei in Gieſsen wie in Alsfeld; man verarbeitete feine Wolle zu Tuch; die Tuchwolle war gesuchter als die Zeugwolle. Doch kam dieser Industriezweig in Folge des Hausier- und betrü- gerischen Zwischenhandels und wegen der einreiſsenden frem- den Mode allmählich in Verfall(Rommel, Geschichte von Hessen IX. Bd., S. 132).
Merian beschreibt die Stadt sehr günstig(S. 43 u. s. w.): Gieſsen ist eine feine, verwahrte Stadt, in einem Sumpf ge- legen und weil das Regenwasser haufenweise dahingeflossen, zu den Gieſsen d. h. Flüssen genannt. Die Universität hat zu florieren begunnen; es ist eine merkliche Frequenz Studioso- rum, auch aus frembden Königreichen Dennemark, Schweden und sonst fast von allen Enden in Deutschland dahin ge- zogen und seind hin und wieder viel vornehme Dapfere, in weltlichen und geistlichen ansehnlichen Officiis begriffene Leute zu finden, welche ihre Qualiteten gutentheils daselbst


