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In den weiblichen Arbeiten gedenken wir(nach dem Beiſpiel der Offenbacher höheren Mädchenſchule) die langgehegte Sehnſucht nach einer befriedigenden ſtufenmäßigen Methode zu erfüllen und haben die Schallenfeld'ſche dazu erwählt. Nun bitten wir aber auch die Eltern recht dringend, ihre Wünſche und ihr Belieben der Ordnung des Lehr⸗ plans zuliebe aufzugeben und namentlich durch rechtzeitige Beſorgung des Materials die Fortſchritte begünſtigen zu helfen. Dispenſationen in dieſem ſo überaus wichtigen Fach können nicht ertheilt werden. Dafür ſollen aber den Kindern die zwei Monate vor Weihnachten nach eigner Wahl— aber immer innerhalb ihrer Arbeitsſtufe— freige⸗ geben werden.
In unſren Bemerkungen über das Rechnen dürfen wir uns kurz faſſen, da wir glauben, daß man hier ſchwerlich billigerweiſe mehr fordern dürfte, als im Durchſchnitt von den Kindern— träge Nach⸗ zügler und von auswärts oft zu ſpät Eingetretene ausgerechnet— geleiſtet wird. Die erſte Klaſſe ſowie die Fortbildungsklaſſe ſind außerdem beſtrebt, die Schülerinnen auch im Rechnungsweſen des ge⸗ ſchäftlichen Verkehrs, in den Elementen der Buchführung u. ſ. w. zu unterrichten; die Bekanntſchaft mit den neuen Maßen und Gewichten wird den Schülerinnen der Fortbildungsklaſſe, die in dieſem Jahre austreten, keine unwillkommene Mitgabe ſein.
Für die ſchöne Geſangeskunſt ſowie für das Zeichnen, das den Geſchmack bildet, glauben wir kaum etwas hier ſagen zu müſſen. Wohl aber müſſen wir das Turnen einer beſonderen Berückſichtigung empfehlen, die es bis jetzt leider nicht in wünſchenswerther Weiſe ge⸗ funden hat. Wenn die Kinder 5—6 Stunden über Büchern und Arbeiten gebückt geſeſſen haben, zumal in der Zeit des beſten Wachſens, wo die meiſten ohnedies krumm gehen, dann iſt Turnen nicht ein Spiel, ſondern eine Pflicht; dann iſt es eine Nothwendigkeit, die ju⸗ gendlichen Körper wieder in eine naturgemäße Haltung und Bewegung zu bringen, die nöthige Spännkraft und Arbeitsluſt zu fördern, die Kinder geſund und friſch zu erhalten. Und in Anbetracht der vielen Schwächen und Gebrechen, die man ſo gern Schulübel oder Schul⸗ krankheiten nennt, ſollten die Aeltern ſich auch nach der rechten Heilung umſehn, ſtatt es uns zu überlaſſen, immer und immer wieder zu einem beſſeren Beſuch der Turnſtunde ermahnen zu müſſen. Möge der Reigen, der für unſer Schulfeſt eingeübt wird, den Aeltern zeigen, daß wir nicht halsbrechende oder zeitranbende Künſte wollen, ſondern ſchöne, anmuthige Bewegungen und daß wir nichts ſuchen als die Entfaltung der körperlichen Kraft zu wahrer Grazie und Schönheit. Und endlich


