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viel auf. Dann wähle man lieber die engliſche, uns näherſtehende, obwohl wir auch hier bezweifeln, daß die Mehrzahl der Kinder je zu einem annähernden Genuß ihrer reichen Schätze kommt. In jedem Falle laſſe man aber die Kinder rechtzeitig anfangen und mit rechtem Ernſt arbeiten, anſtatt ſie,(wie es vorgekommen iſt) wenn ſchwierigere Aufgaben an ſie herantreten, dispenſieren zu wollen; man lege auch den Beginn des Clavier⸗ oder irgend eines andren Privatunterrichts nicht gleichzeitig mit dem Anfang in einer fremden Sprache, und merkt man Lücken oder Schwächen, ſo rede man rechtzeitig mit den Lehrern oder Lehrerinnen, ſtatt ſich über falſche Methode oder Behand⸗ lungsweiſe zu ereifern und endlich gebe man den Mädchen nach der Confirmation Gelegenheit, durch den Beſuch der Fortbildungsklaſſe ſich nun ausſchließlicher und mit beſſerem Verſtändniß in den Sprachen auszubilden.
Der Geſchichte ſteht die Geographie zur Seite, die den Blick von dem Vaterland auf die Völker des Auslandes, auf ihre Länder und Städte, Sitten und Gebräuche, auf ihren Fleiß und ihre Thätigkeit richtet und ſchließlich wieder mit einem beſſeren Verſtändniß auf das Vaterland, mit allen ſeinen Vorzügen und Schattenſeiten zurückwendet. Auch hier iſt eine tabellariſche, abſtrakte Behandlung vom Uebel; culturhiſtoriſche Notizen, Einzelſchilderungen, Reiſebeſchrei⸗ bungen machen den Gang anziehend und lebhaft, die Fortbildungsklaſſe muß das Culturhiſtoriſche noch mehr hervorheben und mit der⸗Kennt⸗ niß der wichtigſten Lehren der aſtronomiſchen Geographie ſchließen.
In der Naturkunde verlange man in Anbetracht der jetzigen Or⸗ ganiſation nicht zu viel; denn wenn es die Gymnaſien noch nicht einmal zu einem vollſtändigen Fachunterricht in dieſem wichtigen Zweig gebracht haben, wie darf man da viel von Lehrern an Mädchenſchulen fordern, deren Kräfte ohnedies oft genug zerſplittert ſind! Wenn es dem Lehrer gelingt, den Sinn und die Anſchauung für die Herrlichkeit der Natur zu gewinnen, die Mädchen mit dem Wichtigſten aus der Thier⸗ und Pflanzenkunde(ſchwieriger iſt ſchon die Mineralogie) und den bedeutendſten Geſetzen der Phyſik über Schall, Licht, Wärme, Dampfkraft, Magnetismus und Electricität vertraut zu machen, wobei ein in der Chemie nicht ganz unbewanderter Lehrer auch eingehender über die Verrichtungen des Sauerſtoffs bei der Athmung und Ver⸗ brennung, des Kohlenſtoffs, des Waſſerſtoffs u. ſ. w. reden mag— ſo hat er ſeine Schuldigkeit gethan; aber man verlange nur keine Chemie der Küche und dergl., man würde wunderliche Reſultate finden.


