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für die großen Werke unſrer Dichter und laben ſich, ſtatt an ihrem kräftigen reinen Born— an den Lachen trüben Urſprungs. Und hier beſonders kann eine rechte Mutter viel Gutes wirken, viel Verderb⸗ liches verhüten, wenn ſie Schule und Haus in Verbindung ſetzt den Abſichten der Lehrer zu Hülfe kommt, Luſt, Liebe und Geſchmack heben hilft und die Uebergangsjahre des Mädchens zur Jungfrau mit ſorg⸗ lichem Auge hütet.— Und darum verlangen wir für den deutſchen Unterricht beſondre Liebe und Hingebung, Gründlichkeit und Gewiſſen⸗ haftigkeit und eine ineinandergreifende Behandlungsweiſe von den Elementen bis zum möglichſten Verſtändniß unſrer reichen Literatur⸗ ſchätze und dem möglichſt ſelbſtändigen Ausdruck eigner Gedanken und Anſchauungen; und die Aeltern wollen dieſen wie jeden Unterrichts⸗ zweig mit liebevoller Theilnahme begleiten, in den Ausarbeitungen ſelbſt aber die Hand aus dem Spiele laſſen,„denn bekanntlich verder⸗ ben viele Köche den Brei.“
Im innigſten Zuſammenhang mit dem deutſchen Unterricht ſteht aber weiter die Geſchichte; und ſie ſoll nicht eine trockene Geſchichts⸗ tafel ſein— obwohl hier ein gewiſſer Memorirſtoff nicht zu umgehen iſt— oder eine Blumenleſe der ſchönſten, rührendſten und ſpannend⸗ ſten Epiſoden, wie ſie das weibliche Geſchlecht liebt, ſondern eine liebe⸗ volle Einführung in die Bekanntſchaft mit wahrhaft großen Menſchen, die neugeſtaltend, belebend und veredelnd in ihre Zeit eingegriffen haben und ein Verſtändniß der großen Wahrheit, daß jedes edle, reine Streben früh oder ſpät ſeine Früchte für die Menſchheit trägt, wäh⸗ rend Verderbtheit und Gemeinheit immerdar zur Barbarei geführt haben. Die ſchönen griechiſchen und römiſchen Sagen und Helden⸗ geſtalten dürfen den Kindern allerdings nicht fremd bleiben, aber der Mittelpunkt iſt und bleibt die deutſche Geſchichte und die unausbleib⸗ liche Frucht eines gewiſſenhaften Unterrichts darin iſt Hebung des deutſchen Selbſtbewußtſeins(nicht Ueberhebung), Vertrauen auf den Adel und Beruf des deutſchen Volks und in ſeiner Mitte des deut⸗ ſchen Weibes mit ſeinem ſegensreichen Walten im Bereich ſchöner Häuslichkeit und Sitte.
Wir laſſen abſichtlich hier unmittelbar die fremden Sprachen fol⸗ gen, die manche für unnöthig oder für eine gründliche weibliche Bil⸗ dung ſogar für hinderlich halten. Wir halten ſie für unbedingt noth⸗ wendig, möchten aber doch vor der häufigen Täuſchung warnen, als ob einige, meiſt noch recht lückenhafte Kenntniſſe den Anſpruch auf Bildung begründeten. Auch bürdet man ſchwachen Kindern, die mit einer fremden Sprache ihre Laſt haben, mit zwei Sprachen oft viel zu


