Jahrgang 
1916
Einzelbild herunterladen

bracht werden, daß nur 3 Klaſſen noch einmal Nachmittagsunterricht hatten. Als dann im Winter die Zugverbindungen noch nachteiliger wurden, wurde für alle Klaſſen nur noch vormittags Unterricht gehalten, ſodaß von da ab auch alle auswärtigen Schüler ihr Mittageſſen im Elternhaus einnehmen können. Daß auch bei uns im Mittelpunkt der Erziehung der Krieg ſtand, das beweiſt die Be⸗ geiſterung und die Teilnahme, die unſere Jugend allen vaterländiſchen Beſtrebungen und der Für⸗ ſorgetätigkeit entgegenbringt. In die Sammlung von Goldmünzen hatten ſich viele findige Köpfe gleich beim Kuftauchen dieſes Gedankens emſig herangemacht und bis Ende 1915 die ſchöne Summe von 12660 Mark bei uns zum Umtauſch abgeliefert. Als durch die Behörde für erneute erfolgreiche Sammlung ein ſchulfreier Tag in Kusſicht geſtellt wurde, kam der Goldſtrom wieder in Fluß, und ſo ſind ſeit dem 6. Januar abermals 2935 Mark, darunter zwei türkiſche Goldſtücke und 130 Mark in Kaiſer⸗ Friedrich⸗Münzen umgewechſelt worden. Am 24. Sebruar wurde zur Belohnung freigegeben. Jeder Sammler bekommt eine von der Reichsbank ausgeſtellte Beſtätigung abgeſtempelt. Für je 1000 Mark ſtiftet die Reichsbank 5 niedliche Papiergeldtäſchchen mit der Aufſchrift: Gold in die Reichsbank. 10 Sammler konnten ſo bereits mit dieſer ſinnigen Kuszeichnung bedacht werden. Wollen wir nicht noch die nächſten 5 Taſchen als Siegesbeute nach hauſe tragen?

Aber nicht nur fremdes Gold, ſondern auch ihre eigenen Reichtümer brachten uns die Schüler, als das Reich zu der Zeichnung ſeiner Kriegsanleihen rief. 3ur 2. und 4. Anleihe zeichneten wir jedesmal 4000 Mark, darunter 200 Mark aus der Schulweihſtiftung. Wir nahmen alle Beträge entgegen und ſtellten den Zeichnern eine Quittung aus, die gut aufzubewahren iſt, und gegen deren Vorlage im Januar und Juli die fälligen Zinſen ausbezahlt werden. Der 100 oder 200 Mark gezeichnet hatte, bekam oder bekommt ſein Stück nebſt Zinsſcheinen ausgeliefert. Bei der 2. Anleihe übernahm die Schule alle kleinen Schüleranteile und die Verwaltung der Sammelzeichnung, während bei der 4. die kleinen Beträge auf ein beſonderes Kriegsſparkaſſenbuch bei der hieſigen Bezirks⸗ ſparkaſſe gegeben worden, auf die damit die weitere Verwaltung übergeht. Daß unſere Goldſammlung und Kriegsanleihe dieſes glänzende Ergebnis hatten, iſt das Verdienſt unſeres rührigen Amtsgenoſſen Uſſeſſor Walther, dem wir für ſeine wertvolle und verſtändige Unterſtützung auch hier herzlichen Dank ſagen.

ls weiteres Zeugnis edlen Opferſinns ſei erwähnt, daß die Schüler der Fürſorge für erblindete Rrieger 100 Mark zuwandten, dem Roten Rreuz in Darmſtadt eine große Kiſte mit 114 Büchern und Schriften für unſere braven Truppen im Felde und der Deutſchwehr in Berlin eine Kiſte mit Briefmarken, Stanniol, Flaſchenkapſeln, Zigarrenabſchnitten, alten Stahlfedern uſw. Daß der Kampf gegen das Fremdwort in und außerhalb der Schule kräftig aufgenommen wurde, ſoll auch nicht vergeſſen werden. Wenn dann die Glocken einen neuen Sieg verkündeten, den unſere Tapferen draußen erfochten hatten, ſollte auch unſere Jugend ihre beſondere Freude haben. So brachen wir den Unterricht ab am 5. Mai, als die Kunde kam von hHindenburgs Vormarſch in die Oſtſeeprovinzen und Mackenſens Durchbruch in den Karpathen, am 20. Kuguſt, als Kowno und Nowogeorgiewsk erſtürmt waren, und am 8. November nach der Eroberung der ſerbiſchen hauptſtadt Riſch und wanderten in die Umgebung, durch Anſprache, Lied und Spiel deutſche Taten miterlebend. Der Unterricht fiel ganz aus am 5. und 23. Juni, ſowie am 27. Kuguſt, als wieder unſere Schulfahne wehte nach der Einnahme von Przemyſl, Lemberg und Litauiſch⸗Breſt.

. Schulfeierlichkeiten. Am Schluſſe des Schuljahres 1914 vereinigte uns ein Schulſpaziergang in die Rabenau noch einmal mit den uns verlaſſenden Prüflingen der IIb, und am folgenden Cage begannen die Ferien nach einer Feier zum 100. Geburtstag Bismarcks, den Reallehrer Müller als den Roland deutſchen Weſens uns vor Kugen ſtellte. Die Geburtstage des Großherzogs und des Kaiſers begingen wir durch ſtimmungsvolle Schulfeiern. Die Amtsgenoſſen Walther und Müller hielten die Anſprachen. .Sonſtige Veranſtaltungen. Am 22. Juni unternahmen alle Klaſſen ihren Tagesausflug mit den Fielen: Braunfels und Weilburg; Friedberg und Bad Nauheim; Marburg; Alsfeld; Wetzlar. Monats⸗ gänge fanden ſtatt am 2. 9., 25. 9., 7. 12., 2. 3. und 13. 3. Hm 21. 3. wurden der IIb und IIla in Friedrichshütte die chemiſche Fabrik und die Eiſengießerei von den herren Coliſchonn und Römheld in liebenswürdigſter Weiſe gezeigt. Wegen der hitze ſetzten wir den Unterricht von 11 Uhr ab aus vom 8. bis 11. 6. Im Sommer hielt Referendar Kreiling für die hieſigen Schüler eine Spielſtunde. Die älteren Schüler turnten in der Jugendriege des Curnvereins; bei dem Turnfeſt auf dem Schiffenberg konnte eine ganze Reihe mit Preiſen ausgezeichnet werden. An den Uebungen