Jahrgang 
1930
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Gerade als der Unterricht nach den Sommerferien wieder begonnen hatte, traf die telegrafiſche Nach⸗ richt von einem ſchweren Motorradunfall unſeres Ober⸗Primaners Heiwi Eickhoff aus Meſchede in Weſtfalen ein. Der bangen Stimmung, die Tage lang über der Schule lag, folgte tiefe Trauer, als die Botſchaft von dem Heimgang des Verunglückten die ſchlimmen Befürchtungen zur Wahrheit machte. Sein Klaſſenführer, Studienrat Dr. Heil, und einige Kameraden gaben dem Verſtorbenen das letzte Geleit und legten einen letzten Blumengruß der Schule an ſeinem Grabe nieder. Durch ſein offenes, heiteres Weſen hatte Heiwi Eickhoff hier wie allerwärts raſch alle Herzen erobert. Nun mußten wir ihn ſo raſch und für immer verlieren. Er ruhe in Frieden! Der Herr über Leben und Tod ſpende Troſt der ſchwer geprüften Familiel

9. Sonſtige Veranſtaltungen. Wie in früheren Jahren, ſo fehlte es auch diesmal nicht an Belehrung, Anregung und Unterhaltung außerhalb des planmäßigen Unterrichts. So hatten wir Gelegenheit, eine Reihe lehrreicher Filme zu ſehen. Im Lichtſpielhaus Vieregge:Das Grab am Nordpol undMit Sven Hedin durch die Wüſten Aſiens, in unſerer Aula durch die heſſiſchen Licht⸗ ſpiele für Schule und Volksbildung in Darmſtadt:Der Rattenfänger von Hameln, in der Turn⸗ halle durch die Lichtbildſtelle des Kreisſchulamts Lauterbach:Simba, der König der Tiere. Im Juni beſuchten die Klaſſen IIb bis la unter Leitung ihrer Lehrer die AusſtellungDer Menſch in Gießen, Aſſeſſor Roth führte bei dieſer Gelegenheit ſeine Klaſſe am Nachmittag noch in das Muſeum der Provinzialhauptſtadt. Am Nachmittag des 13. Auguſt zeigte der. Zirkus Althoff⸗Hagenbeck in Grünberg ſeine Tierſchau und gab anſchließend eine Jugendvorſtellung, die Oberrealſchule war voll⸗ zählig erſchienen. Am 4. September führte Herr Liebetrau den Klaſſen IIla bis la ſelten gezeigte, gut gelungene Verſuche mit flüſſiger Luft vor. Am 11. September lernten die Ober⸗Primaner unter Studienrat Dr. Gerhard den neuzeitlichen Betrieb der Brauerei Ihring in Lich kennen. Am 8. November bereitete uns die Spielgruppe Redlich⸗Eſſen eine köſtliche Stunde durch die flott und eindrucksvoll vorgeführten Hans⸗Sachs⸗Spiele:Das böſe Weib undDas Narren⸗ ſchneiden. Viel Spaß hatten namentlich die jüngeren Schüler an den Darbietungen eines Kaſ⸗ perltheaters am 20. Januar 1930. Am 21. Februar 1930 erhielten wir unvermutet den Beſuch eines Vorkämpfers des Deutſchtums im Ausland, des Pfarrers Hardt aus Wien. Gern zeigte er unſeren Schülern, wie auch denen der Volksſchule, aufſchlußreiche Bilder aus der Bukowina und Galizien. Mit Stolz erkannten die Zuſchauer ohne weiteres an dem Aeußeren der Menſchen und Häuſer die kulturelle Ueberlegenheit unſerer Volksgenoſſen gegenüber Rumänen und Ukrainern. Beſonders aufmerkſam wurde die Jugend, als ſie noch hörte, die Vorfahren dieſer Deutſchen ſeien einſt aus Heſſen und ſeinen Nachbarbezirken in jene ſüdöſtlichen Gebiete ausgewandert, ſprächen in ihrem alten Dialekt noch heim als hom, ham oder hem und hießen danach O⸗, A⸗ und E⸗Deutſche.

10. Sammlungen, Geſchenke, Bücherei. Der Ausbau unſerer Sammlungen wurde plan⸗ mäßig fortgeſetzt. Neben der Verwendung der nach dem Voranſchlag zur Verfügung ſtehenden Mit⸗ tel erfuhren ſie erfreuliche Bereicherung durch eine Reihe recht wertvoller Geſchenke. Wir ſagen des⸗ halb herzlichen Dank: dem Kultusminiſterium für die deutſche Hochſchulſtatiſtik, Herrn Druckerei⸗ beſitzer H. Robert für die Bände 9 bis 11 des Meyerſchen Konverſationslexikons, Herrn Pfarrer Grauling für das WerkL. Matthes: Erklärung des zweiten und dritten Artikels auf bibl.⸗geſchtl. Grundlage, Herrn Oberſtudiendirektor Angelberger für das BuchDeutſchland 1914 bis 1924, der Oberpoſtdirektion Darmſtadt für einen Reichspoſtkalender, Herrn Dr. Burbaum aus Grünberg für mediziniſche Präparate, Herrn Studienrat Dr. Heil für ein ſelbſtgebautes Hitzdraht⸗Ampeèremeter, dem Schüler Hennige lIb für einen Kurbelinduktor und einen Telefonapparat. Der Unterzeichnete über⸗ gab der Sammlung für Zeichen⸗ und Kunſtunterricht etwa 100 Kunſtblätter mit Erläuterungen Meiſterwerke der Malerei.

Zweier Spender darf der Berichterſtatter ganz beſonders gedenken. Einige Wochen nach dem tra⸗ giſchen Ableben unſeres lieben Ober⸗Primaners kam ſein Vater, Herr Fabrikant Clemens Eickhoff aus Meſchede, nach Grünberg. Gelegentlich ſeines Beſuchs in der Anſtalt übergab er zum Zeichen ſeines Dankes für die freundliche Geſinnung und die erfolgreiche Mühe, die von ſeiten der Schule ſeinem Sohn gegolten, dem Direktor 200 RM. zur geeigneten Verwendung. Im Einverſtändnis mit dem fein empfindenden Spender ſollen die Zinſen dieſer Heiwi⸗Eickhoff⸗Stiftung zu Gunſten würdiger Schüler Verwendung finden.

Als äußeres Zeichen der Anhänglichkeit an ihre Schule ſtifteten die diesjährigen Abiturienten den Betrag von 100 RM. zu Gunſten der Schülerbücherei, die dadurch eine anſehnliche Bereicherung erfahren konnte. Im Namen der vielen eifrigen Leſer ſei auch an dieſer Stelle den verſtändnisvollen Gebern herzlicher Dank geſagt. Auch die Schüler der übrigen Klaſſen trugen in dankenswerter Weiſe das ihre zur Erweiterung ihrer Bücherei bei.

11. Schulprämien und Erziehungsbeihilfen. Der Lehrerrat konnte bei der Verſetzungs⸗ beratung aus dem Zinsertrag unſerer Stiftungen wieder Prämien verteilen an ſolche Schüler, die

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