Jahrgang 
1930
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10. Jahrestag der neuen deutſchen Verfaſſung begingen wir am 12. Juli, dem letzten Schultag vor den Sommerferien. Im Mittelpunkt ſtand die Anſprache des Studienrats Schwörer, der die wichtigſten Ereigniſſe des abgelaufenen Jahrzehnts den Schülern vor Augen ſtellte. Zu Be⸗ ginn bot das auf Anregung aus Schülerkreiſen wieder neu ins Leben getretene Schülerorcheſter unter der verdienſtvollen Leitung von Studienrat Dr. Heil mit dem Heldenmarſch von Schubert eine recht beachtliche Leiſtung. Das gemeinſam geſungene Deutſchlandlied ſchloß den Hauptteil der Feier. Um die Bedeutung des Tages noch beſonders zu unterſtreichen, wurden alsdann die volkstümlichen Ue⸗ bungen der Reichsſugendwettkämpfe durchgeführt. Der Raſen hinter der Turnhalle, der Sportplatz und die Straße zwiſchen beiden Uebungsplätzen boten für einige Stunden die bewegten Bilder ſich ſportlich betätigender Knaben und Mädchen. Sonntag, 25. 8. 1929, feierten Oberrealſchule und Volksſchule zuſammen ihr Jugendfeſt, das, vom Wetter begünſtigt, einen ſchönen Verlauf nahm. Die Feſtrede hielt Lehrer Roth von der Volksſchule. Er ſchilderte die harte Zukunſt, der unſere Ju⸗ gend entgegen geht, und ſtellte die Forderungen heraus, die ſich für die Allgemeinheit ergeben, um die Jugend inſtandzuſetzen, den ihrer harrenden Aufgaben gerecht zu werden. Uebungen, Spiele und luſtige Wettkämpfe von Turngruppen der beiden Schulen, Lieder des Schülerchors, der Geſamtheit, der beiden Grünberger Geſangvereine, Vorträge des Muſikvereins und andere Darbietungen er⸗ freuten Jung und Alt. Auch der wichtige PunktBrezelverteilung konnte wie in früheren Jahren dank der verſtändnisvollen Freigebigkeit der Stadtverwaltung auf der Feſtfolge erſcheinen. Zum Gedächtnis unſerer Toten verſammelten wir uns am 23. November 1929 in der Aula. In ſeiner Anſprache wies der Direktor auf die Größe des Opfers und die Berechtigung der Trauer hin. Er leitete dann aber über zu dem Gefühl des Stolzes, das die Ueberlebenden und Nachfahren erfüllen muß ob der ungeheuren Leiſtungen des deutſchen Volkes bei dem großen Zuſammenſtoß der Völker und zu dem verpflichtenden Vermächtnis der Toten, die ohne Bedenken und ohne Vorbehalt ihr Höchſtes für Heimat und Volk hingaben, als die Not der Zeit es erforderte. Angefügt wurde als jüngſtes Beiſpiel die rückſichtsloſe Selbſtaufopferung des Reichsaußenminiſters Dr. Streſemann. Nicht vergeſſen werden durfte in dieſem Zuſammenhang das leuchtende lebende Vorbild des ver⸗ ehrungswürdigen Reichspräſidenten von Hindenburg. Auf eine heitere Tonart war die Ent⸗ laſſungsfeier der diesjährigen Abiturienten eingeſtellt. Am Samstag, den 22. März, verſam⸗ melten ſie ſich nochmals in der Aula, um mit Lehrern und Schulkameraden die letzten Abſchiedsworte zu wechſeln und ihre Zeugniſſe in Empfang zunehmen. Ein Schülerchor unter Leitung unſeres Sing⸗ lehrers Rektor Bender und unſer Orcheſter, das den knappen Winken ſeines Dirigenten Studienrat Dr. Heil verſtändnisvoll und aufmerkſam folgte, belebten die Feſtfolge. Der Direktor ſtreifte in ſeinem Abſchiedswort humorvoll das Ringen von Lehrern und Schülern um Reife und Reifezeugnis. Ein⸗ dringlich wies er am Schluß ſeiner Ausführungen auf die Notwendigkeit hin, bei der Vorbereitung zum beſtimmten Beruf mit Ernſt als zweiten Teil der Lebensausrüſtung einen zielfeſten Willen her⸗ auszubilden. Das Ziel des Wollens müſſe die voll erblühte Perſönlichkeit ſein, die an der ihr zu⸗ kommenden Stelle beſtmöglich für das Volksganze zu wirken geſonnen iſt. Aus Raummangel konn⸗ ten wir leider nur die Eltern der Grünberger Abiturienten einladen. Der urſprünglich vorgeſehene grö⸗ ßere Rahmen mußte weſentlich eingeengt werden/ die Benutzung der Turnhalle wurde uns durch Schwie⸗ rigkeiten unmöglich gemacht, deren Beſeitigung außerhalb der Wirkungsmöglichkeit der Schule lag.

7. B. D. A.⸗Schulgruppe. Die Schulgruppe desVereins für das Deutſchtum im Ausland (B. D. A.) hat ſich unter der bewährten Leitung von Studienrat Seybold weiterhin günſtig ent⸗ wickelt und zählt 265 Mitglieder, die gegen einen monatlichen Beitrag von 10 Pf. die V. D. A.⸗Zeit⸗ ſchriftJung Roland beziehen und ſo auch außerhalb des Unterrichts mit den Problemen des Aus⸗ landdeutſchtums, ſeiner Lage und Bedeutung für uns im Reich bekannt gemacht werden. Zur Linderung der deutſchen Not im Ausland beteiligte ſich die Schulgruppe auf Anregung des Landesverbandes Heſſen im Mai 1929 an der allgemeinen Werbeſammlung, die rund 500 RM., mit den Voklksſchulen von Grünberg, Beltershain und Lumda die Summe von 542,76 RM. erbrachte. Mit den Beiträgen zuſammen wurden von der Schulgruppe im ganzen 732 RM. dem Landesverband überwieſen. Für eifrige Sammeltätigkeit erhielten Ehrenurkunden: die Schule, Ludwig Fornoff IV, die Klaſſen Quarta und Quinta, das BuchDer große Schwabenzug von Ad. Müller⸗Guttenbrunn: Karl Pfeil lag, W. Michel IIla, Karl Keil IV, das BüchleinSao Jeronymo: Paul Görg IIb, Heinrich Kröhle IIla und Minna Repp la.

Die Pfingſtfahrt des V. D. A. nach Kiel zählte etwa 30 Teilnehmer aus Grünberg und Umgebung und wurde zu einem gewaltigen Erlebnis für die Jugend. Außer Kiel und Umgebung lernten wir den ſchönſten Teil der Holſteiniſchen Schweiz(Plönſee Gremsmühlen Malente Ukleiſee Eutin) kennen, fuhren dann bei prachtvollem Wetter mit der Bahn bis zur däniſchen Grenze hinauf, über den Hindenburg⸗Damm nach Weſterland auf der Inſel Sylt, mit der Inſelbahn durch die Dünen nach dem Südende von Sylt und beſtiegen dort den Hapag⸗DampferKobra, der uns nach Hel⸗

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