Jahrgang 
1930
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ſich ſelbſt hat er es verſtanden, auch ſeine Schüler zu ernſter Pflichterfüllung und gediegenem Wiſſen heranzubilden. Er vertauſchte unſere Anſtalt mit der Realſchule in Neu⸗Iſenburg, um weiteren wiſſen⸗ ſchaftlichen Studien an der Univerſität Frankfurt a. M. obliegen zu können.

Studienrat Karl Schmidt war gerade 1 Jahr an unſerer Anſtalt tätig. Er kam Oſtern 1928 von der Realſchule Vilbel und wurde Oſtern 1929 an das Lyzeum Alzey in ſeiner rheinheſſiſchen Heimat verſetzt. Es wurde ihm damit ein ſehnlicher Wunſch erfüllt.

Als Erſatz für die 3 genannten Studienräte kamen durch Verfügung des Herrn Heſſiſchen Miniſters für Kultus und Bildungsweſen Oſtern 1929 Studienrat Dr. Otto Stotz von der höheren Bür⸗ gerſchule Hungen, Studienrat Erich Schwörer von der Realſchule Wimpfen und Studien⸗ aſſeſſor Ludwig Schneider vom Lyzeum Alzey. Gleichfalls ab Oſtern 1929 trat noch neu bei uns ein Studienaſſeſſor Karl Roth von der Auguſtinerſchule Friedberg. Er wurde mit der Ver⸗ waltung von zwei Drittel einer Lehrerſtelle beauftragt, nachdem die ſtarke Beſuchsziffer der la eine Teilung wenigſtens in einigen Fächern notwendig gemacht hatte. Er verließ uns am 14. Februar 1930 ſchon wieder, um eine Lehrerſtelle an der deutſchen Schule in Concepcion in Chile anzutreten. Selbſt ein hervorragender Turner, hat Aſſeſſor Roth es verſtanden, ſeine Schüler für die Sache des Turnens, Sports und Spiels in Wahrheit zu begeiſtern. Seinen Unterricht übernahmen vom 16. Februar bis zu den Oſterferien die Amtsgenoſſen.

Endlich wurde auch der katholiſche Religionslehrer, Kaplan Nauer, am 15. April 1929 verſetzt, an ſeine Stelle trat Kaplan Weſſelkamp.

Der Geſundheitszuſtand der Lehrer war im allgemeinen zufriedenſtellend. Doch mußte Studien⸗ rat Junker wegen nervöſer Erſchöpfung vom 11. Juni 1929 bis zu den Sommerferien und vom 13. Januar 1930 bis zu den Oſterferien ſeinen Unterricht ausſetzen. Vertreten wurde er vom 14. Juni bis 13. Juli 1929 durch Referendar Werner Schoch von der Liebigsoberrealſchule Darmſtadt, am Ende des Schuljahres vom 27. Januar 1930 bis 5. April 1930 durch Referendai Dr. Gernand vom Gymnaſium Büdingen. Während kürzerer Erkrankung mehrerer Lehrkräfte erfolgte die Ver⸗ tretung durch die Amtsgenoſſen.

Der Unterzeichnete war am 28. November 1929, dem Schlußtag der kunſtpädagogiſchen Tagung, in Mainz, am 14. Dezember 1929 zur Tagung der Arbeitsgemeinſchaft der Direktoren der höheren Schulen Heſſens in Darmſtadt. Studienrat Seybold nahm an der Vertretertagung des heſſiſchen Philologenvereins am 22. Februar 1930 in Frankfurt am Main teil. Studienrat Weinel war vom 29. bis 31. Auguſt 1929 zu den Vorleſungen über amerikaniſches Bildungsweſen am Pädagogiſchen Inſtitut in Mainz, die Aſſeſſoren Schneider und Roth am 23. und 24. Auguſt 1929 zur Tagung der deutſchen Auslandslehrer nach Darmſtadt, letzterer außerdem am 21. September 1929 zur Haupt⸗ verſammlung des heſſiſchen Turnlehrervereins nach Nidda und vom 2. bis 5. Dezember 1929 zum heimatkundlichen Einführungskurs nach Bad⸗Nauheim beurlaubt. Reallehrer Müller⸗Ahlheim ſuchte und fand reiche Anregungen vom 25. bis 28. November 1929 während der kunſtpädagogiſchen Tagung in Mainz.

Der 1. März 1930 war ein Gedenktag ſeltener Art. 25 Jahre waren verfloſſen ſeit der Ueber⸗ tragung einer Lehrerſtelle an der höheren Bürgerſchule Grünberg an den damaligen Schulgehilfen, jetzigen Reallehrer Rudolf Kohlbach. Eine kleine Feier im Lehrerzimmer zeigte dem Jubilar, in welch hohem Maße er ſich durch ſeine Pflichttreue im Dienſt und ſein zuverläſſiges, hilfsbereites Weſen der Wertſchätzung ſeiner Amtsgenoſſen erfreut. Ad multos annos!

5. Beſichtigungen und Prüfungen. Herr Staatsrat Block aus Darmſtadt, der Referent der Anſtalt, beſuchte am 30. April und am 7. November 1929 den Unterricht in faſt allen Klaſſen. Am 16. September 1929 fand unter dem Vorſitz des Direktors eine außerordentliche Reife⸗ prüfung für einen Schüler der Ober⸗Prima ſtatt. Zur ordentlichen Reifeprüfung wurden auf ihre Meldung hin alle 28 Ober⸗Primaner zugelaſſen. Sie bearbeiteten die ihnen vorgelegten ſchriftlichen Prüfungsaufgaben vom 6. Februar bis 12. Februar 1930. Vor der mündlichen Prüfung traten 2 Prüflinge zurück, die übrigen 26 konnten am Schluß der mündlichen Prüfung, die am 28. Februar unter dem Vorſitz des Herrn Staatsrat Block ſtattfand, für beſtanden erklärt werden. Die näheren Angaben enthält Seite 8 des Berichts. Am 3. März 1930 wurde noch eine Reifeprü⸗ fung für einen Nichtmitſchüler abgehalten, die nicht zu dem von dieſem erſtrebten Ziel führte.

6. Schulfeierlichkeiten. Aus Anlaß der zehnten Wiederkehr des Tages, an dem Vertreter der deutſchen Regierung den ſchweren Schritt tun mußten, denFriedensvertrag von Ver⸗ ſailles zu unterzeichnen, ſprach Studienrat Seybold vor den Klaſſen la bis IIb, Reallehrer Kohl⸗ bach vor IIla bis VI. Die zum Teil ungeheuerlichen Beſtimmungen des Diktats und die faſt unglaub⸗ lichen, bereits vollbrachten Leiſtungen unſeres Volkes traten vor das geiſtige Auge der Schüler. Die Notwendigkeit durchzuhalten, mit friedlichen Mitteln auf Lockerung der Feſſeln hinzuarbeiten, wurde betont, die Hoffnung auf einen, wenn auch nur langſamen, Aufſtieg unſeres Volkes geſtärkt. Den

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