Jahrgang 
1928
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IV. Zur Geschichte der Xnstalt.

1. Der Beginn des Schuljahres fiel auf Montag den 25. April 1927, der Schluß wird am Sams- tag den 31. März sein.

2. Die Schülerzahl betrug am Ende des vorigen Schuljahres 269. Während der Osterferien verließen uns aus der Oberprima die 10 Abiturienten nach bestandener Reifeprüfung, außerdem noch 32 Angehörige der übrigen Klassen, im ganzen also 42 Schüler. Zu den noch zurückgebliebenen 227 traten zu Beginn des Schuljahres 66 und im Lauf desselben 8 Schüler hinzu. Die Gesamtzahl war so gestiegen auf 301. Dem 300. Schüler wurde bei der öffentlichen Schulfeier am 25. März als Erinnerungs- gabe ein Buch überreicht. Die hohe Schülerzahl beweist wohl aufs deutlichste, wie notwendig unsere ausgebaute Anstalt ist, und wie segensreich sie wirkt für einen recht weiten Bezirk, der unsere Stadt dank des guten Eisenbahnnetzes bequem erreichen kann. Wie im vorigen Jahre machte sich auch diese Ostern bei der Schüleraufnahme der Geburtenrückgang wührend des Krieges sehr bemerklich; wir konnten nur 33 Sextaner einschulen, darunter 2 nach 3 jährigem Grundschulbesuch. Andererseits kehrten in die Oberklassen Schüler zurück, die schon eine Reihe von Jahren mit der Reife für IIa- oder Ib in einem Beruf gestanden hatten und sich nun zum besseren Fortkommen nachträglich eine erweiterte Schulbildung erwerben wollen.

3. Personalangelegenheiten. Eine Aenderung ist in der Zusammensetzung des Lehr- körpers nicht zu verzeichnen. Durch Verfügung des Landesamts für das Bildungswesen vom 23. Juni bezw. 12. Dezember 1927 wurden die Assessoren Junker, Dr. Heil und Weinel zu überplanmäßigen Studienräten ernannt.

Mit der Fertigstellung des Anbaues konnte die Amtsgehilfenwohnung endlich wieder ihrer eigent- lichen Bestimmung zurückgegeben werden. Die seit dem Heldentode des Schuldieners Ranft zunächst von dessen Ehefrau und nachher von Frau Graubner verwaltete Stelle eines Amtsgehilfen wurde ab 7. November dem seitherigen Verwalter am Landesgestüt zu Darmstadt Konrad Misar übertragen

Der Gesundheitszustand der Lehrer war im allgemeinen nicht ungünstig. Wegen nervöser Er- schöpfung mufßte Reallehrer Müller-Ahlheim vom 25. Januar bis 7. März beurlaubt werden. In die Vertretung teilte sich das Kollegium.

4. Der Erweiterungsbau der Schule. Als die Stadt vor 4 Jahren zum Ausbau zur Vollanstalt schritt, war es klar, daß das 1911 für die 5 klassige, damals noch nicht militärberechtigte Höhere Bürgerschule erbaute Haus wohl kaum für eine Oberrealschule ausreiche. Noch unter dem Eindruck der glänzend verlaufenen 50-Jahrfeier zu Pfingsten 1926 hat die Gemeindevertretung da- her einen Erweiterungsbau beschlossen, mit dessen Ausführung das Kreisbauamt Gießen beauftragt wurde. Leider verzögerte sich die Fertigstellung der Pläne so sehr, daß erst am 19. Oktober 1926 der erste Spatenstich erfolgen konnte. Nur dem verhältnismäßig günstigen Winter war es zu ver- danken, daß der Rohbau doch bereits Mitte Januar 1927 unter Dach kam. Auch bei der Durchführung des Innenausbaues und bei den Umbauarbeiten im seitherigen Gebäude ergaben sich leider wiederum eine Reihe von Verzögerungen. So kam es, daß wir erst Anfang Dezember den neuen Physiksaal, das physikalische und chemische Kabinett und kurz darauf das neue Lehrerzimmer ihrer Bestimmung übergeben konnten, während der neue Sing- und Zeichensaal am 25. Januar mit dem Beginn der schriftlichen Reifeprüfungsarbeiten in Gebrauch genommen wurde. Die neue Anlage ist recht zweck- entsprechend ausgefallen. Neu errichtet wurde im Erdgeschoß ein ausgiebiger Lehrsaal, zugleich für Physik- und Chemieunterricht dienend, mit Tischen ausgestattet für Arbeitsunterricht, ferner je ein physikalisches und chemisches Kabinett, ein Sammlungsraum und eine photographische Dunkel- kammer. Das Obergeschoß nimmt das Lehrerzimmer und einen sehr geräumigen, für den Sing- und Zeichenunterricht sowie zu Schulfeiern bestimmten Saal ein. In dem Kellergeschoß sind neben einer Waschküche und einem Kohlenraum die Schüleraborte untergebracht. Der Singsaal im alten Haus wurde durch eine Zwischenwand in zwei Räume für die beiden Primen aufgeteilt, die naturwissen- schaftliche Sammlung kehrte wieder in ihren früheren, seit 6 Jahren zu Unterrichtszwecken verwen- deten Raum zurück, ein Mansardenraum nahm die geographische Sammlung, ein anderer eine Parallel-

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