Jahrgang 
1935
Einzelbild herunterladen

10

erwähnt, daß die Flaggenehrungen mit Anſprachen des Direktors und der Herren nach Weiſung ſtattge⸗ funden haben und nun ſchon Erlebnisgut aller geworden ſind.

4. Unterricht, Vorträge, Filme, Aufführungen. Unterrichtlich gemeſſen war das Jahr 1934/35 ein Jahr der Unruhe und der Beſchränkung, von der Seite der Erziehung geſehen ein Jahr Verwirk⸗ lichung einer neuen Lebensauffaſſung. Das Neue ſtieß nicht immer auf das nötige Verſtändnis der Elternſchaft. Die Schule iſt im Umbau begriffen, an Stelle geſteigerten Lernens tritt Erlebnis, Tat, Einſatz. Die Unruhe kam organiſatoriſch von den beiden neuen Haupteingriffen in das gewohnte Alte, der Entſendung der Lehrer ins Lehrerſchulungslager nach Mainz und dem Staatsjugendtag. Wenn das ganze Kollegium bis auf zwei Herren in Mainz oder anderen Lagern weilte, dazu noch Beurlaubungen zu Kurſen und Tagungen kamen, läßt ſich ermeſſen, wieviel organiſatoriſcher Arbeit und Behutſamkeit es bedurfte, um die Maſchine im richtigen Gang zu halten. Dabei war der Geſundheitszuſtand der Lehrer am Schluß des Jahres nicht zum beſten. Die Herren Pfarrer nicht eingerechnet, mußten ohne Ver⸗ tretungshilfe erkrankte Herren an 130 Tagen vertreten werden. Es ſei jedoch vermerkt, daß die Herren aus Lagern und Kurſen mit gehobenem Arbeitsmute heimkehrten und ſo imſtande waren, die Bürde der Mehrleiſtung zu tragen. Der Staatsjugendtag, der am 12. Auguſt eingeführt wurde, brachte eine große ſtundenplanmäßige Veränderung mit ſich. Da wenig Richtlinien vorlagen, mußten leider öfters Ver⸗ änderungen im Plane vorgenommen werden, bis durch Einführung des Sommer⸗Schülerzuges ab 16. 1. die richtige Form gefunden war. Die ſtarke Abhängigkeit von den Zügen bedingt die Schwierigkeit or⸗ ganiſatoriſcher Neuerungen. Wir waren ſtets bedacht, den Rahmen des Penſums nicht weſentlich zu ver⸗ andern. Daß dies möglich war, iſt nicht zum letzten dem guten Geſundheitszuſtand unter den Schülern zuzuſchreiben, trotz überall drohender Grippe⸗ und Scharlachkrankheit. Das Niilchfrühſtück iſt immer noch begehrt als Mittel zur Kräftigung und Geſunderhaltung. Außerſchuliſches Leben und Walten ſtrömte ein aus Vorträgen, Filmen und Theater. Vorträge: Am 12. 6. Verkehrsſicherheit, Sprecher Stud.⸗Rat Saal; am 17. 10. Deutſches Leid in Oberſchleſien, Lehrer Clemens aus Obefſchleſien; am 5. 2.Flüſſige Luft von Ingenieur J. Ohmann. Filme: Am 7. 6.An Bord des Kreuzers Schleſien,Im Auto durch zwei Welten; am 7. 7.Heſſen begrüßt ſeinen Statthalter,HJ. in den Bergen,Vom Faſchismus; am 7. 9.Flugkunſt,Unſere blauen Jungens,Motor⸗SA; am 15. 11. Morgenrot,Zwei Lehrfilme; am 1. 4.Die letzte Kompagnie.

Auch in dieſem Jahre iſt die Beteiligung unſerer Schüler am Jugendring der deutſchen Bühne wieder gut. Seitdem mehrere Omnibuſſe in Groß⸗-Umſtadt ſtationiert ſind, iſt der Beſuch des Darmſtädter Theaters für die Schüler und den führenden Lehrer bedeutend erleichtert. Der Mühe der Führung hat ſich Herr Rothley unterzogen. Zwei ſtrebſamen Schülern iſt auch in dieſem Jahre die Erziehungsbei⸗ hilfe gemäß§ 146 Abſ. 3 der Reichsverfaſſung zugute gekommen. Den wahlfreien ÜUnterricht konnten wir auch in dieſem Jahre in vollem Umfange aufrecht erhalten. Um den abgehenden Schülern über die Schwierigkeit der Berufswahl hinwegzuhelfen, hatten wir Herrn Dr. Schorlemer von der Berufs⸗ beratung in Darmſtadt zum Vortrag und zur Beratung gebeten.

5. Sport, Wandern, Geſundheitspflege. Wir ſetzten unſere Mühe, den Kindern friſche Turn⸗ räume und einen ſchönen Spielhof zu bieten, fort. Nachdem im letzten Jahre die Turnhalle neu hergerichtet war, durften wir in dieſem Jahre dem Gemeinderat dankbar ſein, daß er uns das Geld zu der Einfaſſung des Schulhofes mit Linden bewilligte und den Bewurf der Umfaſſungsmauer erneuern ließ. Die Linden ſollen einmal den großen herrlichen Schulhof grün abgrenzen. Dort ſpielte ſich wieder ein Teil unſerer Reichsjugendwettkämpfe anläßlich des Jugendfeſtes ab, die uns rund 30% Sieger brachten. In der Reichs⸗ ſchwimmwoche gingen wir begeiſtert an die Arbeit. Als Entſchädigung für ſchlechtes Wetter führten wir ſämtliche Klaſſen als Auftakt in der vorhergehenden Woche zweimal in den letzten Vormittagsſtunden ins Waſſer. In der Gemeinde war unſerer Schule ein Tag in der Reichsſchwimmwoche vorbehalten. Das BüchleinSchwimme richtig fand reges Intereſſe und zahlreiche Abnehmer. Infolge der Entwicklung zum Staatsjugendtag hin führt der Spielnachmittag nur noch ein ganz beſcheidenes Daſein. Alle in dem Jungpolk noch nicht beteiligten Schüler haben noch daran teilzunehmen. Dies iſt nur noch ein kleiner Reſt. Diejenigen, die glauben, im Sport zu kurz zu kommen, finden Gelegenheit zu turneriſcher und ſportlicher Betätigung im Schüler⸗Turnverein. Seit dem 18. 2. ſehen wir jeden Morgen bei günſtigem Wetter die Knaben der ORL und die Mädchen der Realſchule unter gemeinſamem Befehl dem Früh⸗ ſport huldigen. Wir haben den Eindruck, daß die Schüler bei der Sache ſind und die Einrichtung ſegens⸗ reich ſich auswirken wird, ganz im Sinne der Schöpfer. Hier ſind die räumlichen Verhältniſſe dazu glänzend gegeben, ſ. Bild. Die Einführung konnte erſt dann ins Auge gefaßt werden, als wir den Sechs⸗ ſtundenvormittag eingeführt hatten. Das Wettkampfſpiel wurde reichlich gepflegt in mehreren Fuß⸗ ball⸗ und Handballſpielen, zunächſt 1 gegen die OR in Michelſtadt, dann mehrere gegen das Gymnaſium Dieburg. Unſere Mannſchaft war ſtets in guter Form. Trotz der geſteigerten ſportlichen Tätigkeit brauchte die Schülerunfallverſicherung nur in wenigen und leichten Fällen in Anſpruch genommen zu werden. Körperliche Ertüchtigung lag noch in den Ausflügen am 9. 5., 31. 5., I11. 7., I. 9., 21. 9., 23. II., 12. 2., (Rodelausflug) und einer mehrtägigen Radwanderung der IIIb L3 nach Worms, Speyer, Heidelberg. Hitzfrei war am 18. 6., 19. 6., 21. 6., 23. 6., 28. 6., 10. 7., 12. 7., 23. 8., rodelfrei am 14. 1.

6. Prüfungen. Die ſchriftliche Reifeprüfung war am 11. 2. bis 18. 2., die mündliche Reife⸗ prüfung unter dem Vorſitz von Herrn Miniſterialrat Glückert am 28. 2. Von den 15 Oberprimanern trat einer kurz vor der Prüfung aus, die reſtlichen 14 beſtanden alle, 3 konnten von der mündlichen Prü⸗