Jahrgang 
1915
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IV. Zur Geſchichte der Anſtalt.

a) Perſonalangelegenheiten. Das Schuljahr begann Montag, den 20. April, mit der Aufnahmeprüfung der neu angemeldeten Schüler. Mit ſeinem Anfang verließ uns Herr Lehramtsaſſeſſor Backhaus, der 3 Jahre an unſerer Anſtalt weilte. Er wurde durch miniſterielle Verfügung mit Wirkung vom 20. April mit der Verwaltung einer Lehrer⸗ ſtelle an der höheren Bürgerſchule zu Alzey beauftragt. Wir wünſchen ihm in ſeinem neuen Wirkungskreiſe eine geſegnete Arbeit.

Herr Lehramtsaſſeſſor Vogel ſetzte ſeine freiwillige Tätigkeit an unſerer Anſtalt fort, bis er am 10. Mai mit der vorübergehenden Leitung der höheren Bürgerſchule zu Hungen beauftragt wurde. Bei Beginn des Krieges wurde er eingezogen und iſt jetzt Leutnant der Reſerve im Infanterie⸗Rgt. Nr. 99.

Der israelitiſche Religionslehrer Herr Friedrich Kahn wurde am 6. Oktober zur Ableiſtung ſeiner Militärpflicht eingezogen. Der israel. Religionsunterricht mußte deshalb bis zum Anfang März ausfallen, von wo ab er von Herrn S. Simon übernommen wurde.

Durch Allerhöchſtes Dekret Ihrer Königl. Hoheit der Großherzogin Eleonore mit Wirkung vom 19. Dezember wurde Herr Lehramtsaſſeſſor A. Knoll zum Oberlehrer der Anſtalt ernannt.

Da Herr Direktor Göckel durch Krankheit verhindert war, ſelbſt den Jahresbericht zu verfaſſen, beauftragte er damit den Unterzeichneten.

b) Der Unterricht. Dienstag, den 21. April, wurde der Unterricht mit einer Schulfeier be⸗ gonnen. Die Zeit bis zu den Sommerferien verlief in normaler Weiſe, dagegen erlitt der Unterricht nach den Ferien zunächſt eine empfindliche Störung durch die Mobil⸗ machung am 1. Auguſt. Als ſich am 3. Auguſt Lehrer und Schüler verſammelten, da war das Hänuflein der letzteren ſehr klein. Die auswärtigen Schüler(das ſind 70%) fehlten faſt alle. Einer war bereits als Kriegsfreiwilliger eingerückt, andere beabſichtig⸗ ten es zu tun. Viele Eltern ſuchten um Ernteurlaub für ihre Jungen nach. Die Schüler⸗ züge nach dem Odenwald und Babenhauſen waren eingezogen. Dazu kam die Verord⸗ nung des Kommandeurs des 18. Armeekorps, wonach die Leiter der höheren Lehranſtal⸗ ten die Schüler auffordern ſollten, ſich an den Erntearbeiten zu beteiligen, was auch ge⸗ ſchah. Die meiſten Schüler betätigten ſich bei der Ernte, die Lehrer halfen teils bei der Bewachung der Bahnſtrecke, teils bei der Verpflegung durchziehender Truppen. Nach einer telephoniſchen Unterredung am 11. Auguſt mit Herrn Geh. Oberſchulrat Block ord⸗ nete die Direktion den Wiederbeginn des Unterrichts auf Donnerstag, den 13. Auguſt, an. Wegen der ſchwierigen Poſt⸗ und Bahnverhältniſſe und wegen Beurlaubung einiger Schüler für die Ernte waren alle Schüler aber auch erſt in der folgenden Woche anweſend.

Die Veränderungen, die durch die Einberufung des Herrn Aſſeſſors Büttner zum Kriegsdienſt nötig waren, ſind bei der Unterrichtsverteilung zu erſehen. Im übrigen konnte der Unterricht geordnet bis zum Schulſchluß durchgeführt werden.

Am 13. Februar beſuchte Herr Geh. Oberſchulrat Block unſere Anſtalt und wohnte dem Unterricht in einigen Klaſſen bei.

c) Geſundheitliches, Förderung der Jugendſpiele und der Schülerwan⸗ derung. Der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler war im allgemeinen gut. Nur Herr Oberlehrer Dr. Völzing mußte wegen Keuchhuſtens vom 26. Oktober bis 7. Dezember beurlaubt werden, und Herr Direktor Göckel mußte einige Wochen wegen Erkrankung den Unterricht ausſetzen. Herr Dr. Völzing wurde durch Herrn Referendar Märker aus Worms vertreten.

Der Hitze wegen wurde der Unterricht am 1., 2. und 3. Juli gekürzt. Das Rodeln konnte wegen der Schneearmut des Winters nicht betrieben werden, dagegen konnte an mehreren Tagen ſchlittſchuhgelaufen werden. Am 22. und 29. Januar fiel zu dieſem Zweck der Nachmittagsunterricht aus.

An 2 Jugendwanderungen, die eine von König über Hainhaus, Eulbacher Park nach Erbach, die andere von Wiebelsbach über Haſſenröther Höhe, Böllſteiner Höhe, Spreng nach Michelſtadt, beteiligten ſich viele Schüler aus allen Klaſſen.