Jahrgang 
1914
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Die Reihe der Begrüßungen eröffnete Geh. Oberſchulrat Nodnagel im Namen der Schulabteilung Großh. Miniſteriums des Innern, ſowie im Namen der Abteilung für Handel, Landwirtſchaft und Gewerbe. Da die Landwirtſchaft eine hohe vaterländiſche Bedeutung habe, leiſte auch die hieſige Schule, indem ſie der Landwirtſchaft diene, in hohem Maße ein vaterländiſches Werk. Als früherer Direktor der hieſigen Realſchule fügte der Vertreter der Regierung noch ein warmes perſönliches Glückwunſchwort an.

Kreisrat Dr. Wagner ſprach die Wünſche des Kreiſes und der Kreisſchulkommiſ⸗ ſion aus und betonte ebenfalls die Bedeutung einer ſolchen Schule in ſtaatsbürgerlicher Beziehung.

Oekonomierat Walter überbrachte die Grüße der Landwirtſchaftskammer, indem er das Verſprechen gab, daß erin alle Zukunft, wie ſeither, dafür eintreten werde, daß die Landwirtſchaftsſchule hier gedeihe, und daß aus der geſamten heſſiſchen Bauernſchaft der Schule immer genügend Schüler zugeführt werden.

DerVerein ehemaliger Schüler ließ ſeinen Dank an die Schule durch Landwirt Georg Weber VIII. in Groß⸗Umſtadt ausdrücken. Den beredten Worten folgte der Dank der Tat, indem der Grundſtock zu einem Stipendienfonds in Höhe von 1400 Mark, der bis jetzt auf 1675 Mark angewachſen iſt, überreicht werden konnte.

Beigeordneter Arzt von Groß⸗Umſtadt übermittelte mit dem Glückwunſch der Stadt Groß⸗Umſtadt eine Schenkungsurkunde, nach der die Stadt Groß⸗Umſtadt der Schule nach der Durchführung der Feldbereinigung ein Verſuchsfeld von einem Hektar zur Verfügung ſtellen wird.

Frl. Göckel überreichte namens der früheren Schülerinnen der Realſchule mit ent⸗ ſprechenden Worten eine Schleife für das Banner der Schule.

Hauptlehrer Maſer begrüßte im Namen der hieſigen Volksſchule und hob das gute Verhältnis zwiſchen Real⸗ und Volksſchule hervor.

Geh. Schulrat Dr. Derſch, der erſte Direktor der Landwirtſchaftsſchule, lenkte die Gedanken nochmals zurück ins Gründungsjahr.Eine tüchtige Lehrkraft war gewonnen, ein gediegener Lehrplan ausgearbeitet, reichliche Lehrmittel im phyſikaliſchen Kabinett und chemiſchen Laboratorium waren vorhanden, umfangreiche Sammlungen ſtanden zur Ver⸗ fügung, ein ſtattlicher Neubau erhob ſich bald; ſo konnte die Schule ins Leben treten und ſeitdem reichen Segen wirken für die Landwirtſchaft.

Für das Landwirtſchaftliche Inſtitut der Univerſität Gießen ſprach Privatdozent Dr. Kleberger, ein früherer Schüler der hieſigen Anſtalt.

In dem Dankeswort, das der Direktor für alle Begrüßungen ſprach, konnte er noch von zwei weiteren Schenkungen Kenntnis geben. Die Zuckerfabrik Groß⸗Umſtadt hat eine neue Schulglocke mit Geſtell geſtiftet, Buchhändler Zibulski einen großen Holz⸗ ſchnitt,Der Pflug.

Ein ſtimmungsvoll vorgetragenes Largo von der Militärkapelle ſchloß dieſen Teil der Feier.

Bei dem anſchließenden Feſtmahl imLamm gedachte man des Landesfürſten, der Regierung, der Stadt Groß⸗Umſtadt, der früheren Schüler und jetzigen Lehrer, be⸗ ſonders der Landwirtſchaftslehrer, die nacheinander hier wirkten: Dr. Knapp ljetzt Direk⸗ tor der hieſigen Zuckerfabrik), Dr. Gräfe(jetzt Direktor der Königl. Landwirtſchaftsſchule in Bautzen), Dr. Sehnert ljetzt Landwirtſchaftslehrer in Hennef, Rheinprovinz) und Dr. Biedenkopf. Auch dem früh verſtorbenen verdienſtvollen Lehrer der Naturwiſſen⸗ ſchaften, Prof. Dr. Vogel, wurde ein pietätvolles Wort gewidmet. Aus den meiſten Reden klang es hindurch und wurde auch offen ausgeſprochen, daß die Schüler der hieſigen Landwirtſchaftsſchule in ihren Lehrern wahre Freunde beſitzen und fürs Leben behalten.

Eine geſellige Feier am Abend vereinigte Gäſte und Gaſtgeber imWeißen Roß. Das zum ſilbernen Jubiläum der Realſchule(im Jahre 1894) gedichtete Luſtſpiel:Durch eiſerne Hand von Profeſſor Henkelmann wurde von Schülern der Landwirtſchaftsſchule unter Leitung des Herrn Profeſſor Michel mit großem Eifer und Erfolg aufgeführt und fand reichen Beifall. Desgleichen wurde ein zur diesmaligen Feier zuſammengeſtellter Scherz:Auf der Bude oder Nach zehn Jahren freundlich aufge⸗ nommen. Ein von früheren und jetzigen Schülerinnen der Realſchule gegangener, von Frl. Gathmann eingeübter, reizender Reigen leitete zum Feſtball über.