Jahrgang 
1888
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mit dem Zeugnis der Reife entlaſſen und bezog hierauf die Landesuniverſität Gießen, um mich dem Studium der Naturwiſſenſchaften, ſpeciell dem der Chemie zu widmen. Am 2. Juni 1881 unterzog ich mich der Staatsprüfung für Aspiranten des höheren Lehramtes, welche ich beſtand. Das Probejahr abſolvierte ich am Großh. Gymnaſium zu Gießen, woſelbſt ich auch das pädagogiſche Seminar beſuchte Am 1. Dezember 1881 erfolgte meine Promotion. Vom 1. Oktbr. 1882 bis dahin 1883 genügte ich meiner Militärpflicht. Nachdem ich dann kurze Zeit am Realgymnaſium in Darmſtadt als Lehrer gewirkt, wurde ich durch Dekret Großh. Min. v. 10. Febr. 1883 nach Beerfelden an die höhere Bürgerſchule als Lehrer berufen. Durch Patent Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs und Sr. Majeſtät des Kaiſers vom 13. Mai 1886 wurde ich zum Sekonde⸗Lieutenant der Reſerve ernannt. Am 1. Oktbr. 1887 er⸗ folgte meine Verſetzung als definitiver Lehrer an die Großh. Realſchule zu Groß⸗Umſtadt. Der katholiſche Religionsunterricht wurde durch Miniſterial⸗Verfügung vom 16. November Herrn Pfarrer Miſchler übertragen.

. Am 14. Juni unternahmen die einzelnen Klaſſen unter Führung ihrer Klaſſenführer größere eintägige Ausflüge. Die 1. und 2. Klaſſe wählten Worms als Ziel, die 3. Kl. Heidelberg, die 4. Kl. Lichten⸗ berg und Rohrbach, die 5. und 6. Kl. Breuberg und Neuſtadt, die Vorſchule Hanau und Wilhelmsbad.

Außer dieſen größeren Ausflügen fanden monatliche Nachmittagsſpaziergänge der einzelnen Klaſſen ſtatt.

Am 27. Oktober wurde mit der 1. und 2. Kl. eine mineralogiſche Exkurſion nach dem Frankenſtein unternommen.

Am 10. November beſuchte die 1. Kl. und mehrere Schüler der 2. Kl. das Theater in Darmſtadt.

. Am 27. Juni beehrte der Superintendent, Herr Oberkonſiſtorialrat Dr. Sell, unſere Schule und wohnte dem Religionsunterrichte der 3 oberſten Klaſſen bei.

. Am 12. Dezember war der Realſchulbau, deſſen angrenzende Häuſer durch eine Feuersbrunſt einge⸗ äſchert wurden, ſtark bedroht, ſo daß wir ein Ausräumen der naturwiſſenſchaftlichen Kabinette und der Bibliothek vornehmen ließen. An dem Bau ſelbſt, der durch eine Brandmauer geſchützt war, ent⸗ ſtanden nur unbedeutende Schädigungen. Dagegen litten die aus dem Gebände forttransportierten Gegenſtände. Als Entſchädigungsſumme hierfür erhielten wir von der Aachener⸗Münchener Feuer⸗ verſicherungsgeſellſchaft 450 M.

. Am 16. Januar nahmen Herr Geheimer Staatsrat Knorr v. Roſenroth und Herr Oberbaurat Pfarrer in Gemeinſchaft mit den Herren Kreisrat Heß, Kreisbaumeiſter v. Rüffel, Bürgermeiſter Eidmann, 2 Gemeinderäten und dem Unterzeichneten eine Beſichtigung unſeres Realſchulgebäudes vor. Es wurde konſtatiert, daß eine momentane Baufälligkeit zwar nicht vorliege, aber die vollſtändige Unzulänglichkeit der Unterrichtsräume einen Neubau nötig mache. In der nach der Beſichtigung ſtattfindenden Ge⸗ meinderatsſitzung erklärten die Gemeinderatsmitglieder dem von Herrn Geh. Staatsrat ausgeſprochenen Wunſche, ein neues Realſchulgebäude errichten zu laſſen, ihre Bereitwilligkeit und beſchloſſen in einer wenige Tage ſpäter erfolgten Sitzung die Aufführung eines Neubaues.

Wir ſind dem Gemeinderat ſehr dankbar, daß er zum Wohle unſerer Realſchule dieſem dringenden Bedürfniſſe abzuhelfen beſchloſſen hat; ebenſo wird dieſer Beſchluß dankbare Anerkennung bei den Eltern unſerer Schüler und bei allen Freunden unſerer Realſchule finden.

. Von hoher Bedeutung für die Entwickelung der heſſiſchen Realſchulen iſt der von Großherzoglicher Staatsregierung geſtellte und von den Ständekammern genehmigte Antrag, wonach in Zukunft die Lehrer an den Realſchulen den Gymnaſial⸗ und Realgymnaſiallehrern im Gehalte gleichgeſtellt ſind. Es iſt hierdurch dem öfteren ſtörenden Wechſel im Lehrerperſonale ein Ziel geſetzt und das Verbleiben von tüchtigen Kräften ermöglicht. . Mit Rückſicht auf die morgens ankommenden Eiſenbahnzüge begann, wie in dem vorigen Jahre, der Vormittagsunterricht auch in dieſem Schuljahre erſt nach 8 Uhr. Ebenſo wurde wieder in den Winternralen der auswärtigen Schüler wegen der Anfang des Nachmittagsunterrichtes auf 1 ½ . r gelegt. . Der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler war gut.

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