Jahrgang 
1870
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Jahres als proviſoriſcher Lehrer der Naturwiſſenſchaften an das evangeliſche Schullehrerſeminar zu Friedberg berufen, von wo er am 1. April 1869 an die hieſige Anſtalt überging..

Als zweiter Lehrer trat ein: Chriſtian Diehl, zweiter lutheriſcher Pfarrer zu Groß⸗Um⸗ ſtadt. Derſelbe, geboren zu Langſtadt im Jahre 1826, ſtudirte von 1845 1848 zu Gießen Theologie, bezog dann das evangeliſche Predigerſeminar zu Friedberg, vicarirte in den folgenden Jahren verſchiedene Pfarrſtellen und ward 1861 als zweiter lutheriſcher Pfarrer und Lehrer der obern Mädchenſchule zu Groß⸗Umſtadt angeſtellt. Durch Verfügung Großher⸗ zoglicher Oberſtudiendirection und Großherzoglichen Oberconſiſtoriums wurde ihm geſtattet, ſeine Lehrerſtelle durch einen Schulvicar verwalten zu laſſen, und dafür als Lehrer an der Realſchule mitzuwirken.

Den Unterricht in der franzöſiſchen und engliſchen Sprache übernahm: Wilhelm Wiener, zweiter reformirter Pfarrer zu Groß⸗Umſtadt. Derſelbe, geboren zu Monsheim bei Worms im Jahre 1833, ſtudirte von Oſtern 1853 bis Herbſt 1855 zu Gießen Theologie, vicarirte an verſchiedenen Orten und iſt ſeit 1868 als Pfarrer dahier angeſtellt. Er war früher be⸗ reits an der Realſchule zu Biedenkopf verwandt.

Außerdem wurde den hieſigen Lehrern Peter Guyot, Philipp Horn und Ludwig Adam Heuſel je eine Anzahl von Lehrſtunden an der Realſchule übertragen. Den katholiſchen Reli⸗ gionsunterricht übernahm der katholiſche Pfarrer Seib zu Groß⸗Umſtadt.

Schon vor Eröffnung der Schule zeigte indeß eine Vermehrung des Lehrerperſonals ſich nöthig. Man hatte für den Anfang auf 50 Schüler gerechnet, die in zwei Klaſſen unterge⸗ bracht werden ſollten, allein es meldeten ſich gegen 100, von welchen 91 für zur Aufnahme befähigt erklärt werden konnten. Nicht nur dieſe große Zahl der Aufgenommenen, ſondern auch die Verſchiedenheit der Vorkenntniſſe, welche ſie mitbrachten, drängte darauf, ſofort noch eine dritte Klaſſe zu errichten. Der Stadtvorſtand ſah dieſe Nothwendigkeit ein und verwilligte die nöthigen Mittel. Es wurde nun noch ein weiterer Lehrer nöthig, und als ſolcher der Schulamtsaſpirant Heinrich Pfaff von Lengfeld an unſere Anſtalt berufen.

Heinrich Pfaff, geboren zu Lengfeld im Jahre 1846, beſuchte von 186264 das Schul⸗ lehrerſeminar zu Friedberg. Er war von 1864 1866 Hauslehrer bei Herrn Bergmeiſter Jäger auf dem Dorheimer Bergwerk und von da bis zum Frühjahr 1868 in derſelben Eigen⸗ ſchaft bei Herrn Oeconom Walther zu Lengfeld..

Die Schule wurde alſo mit drei Klaſſen eröffnet. Allein, ſehr bald wurde es nöthig, noch eine Theilung der dritten Klaſſe in zwei Abtheilungen vorzunehmen, weil dieſelbe die am wenigſten gleichartigen Elemente enthielt. Da das Unterrichten von zwei Abtheilungen in einer Klaſſe ſehr mißlich iſt, da außerdem im Herbſt eine ziemlich große Anzahl von Knaben eintrat, welche in jene zweite Abtheilung paßten, ſo wurde aus der zweiten Abtheilung der dritten Klaſſe und der Mehrzahl der im Herbſt aufgenommenen Schüler eine vierte Klaſſe gebildet.

Da in dem Lehrplan der Realſchule auch die lateiniſche und griechiſche Sprache, wenn auch nicht als obligatoriſche Lehrgegenſtände, vorkommen, ſo war man bei Beſetzung der durch Errichtung der vierten Klaſſe gebildeten Lehrerſtelle darauf bedacht, einen Philologen herbeizuziehen.

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