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Es wurde der Kandidat der Philologie Arno Hercher aus Vieſelbach im Großherzogthum Sachſen⸗Weimar berufen. Derſelbe iſt geboren im Jahre 1844 zu Dornburg an der Saale. Er beſuchte von 1858— 1863 das Gymnaſium zu Weimar und bezog im Jahre 1863 die Univerſität Jena, wo er bis zum Jahre 1866 blieb, um zuerſt Theologie und Philologie und dann ausſchließlich Philologie zu ſtudiren. Während des letzten Jahres ſeines Aufenthaltes zu Jena ertheilte er Unterricht an dem Knabeninſtitut des Herrn Profeſſor Zenker und an dem Mädcheninſtitut der Fräulein Oßwald daſelbſt. Seit 1866 bekleidete er eine Hauslehrer⸗ ſtelle bei Herrn Kreisrath Hoffmann zu Neuſtadt i. O., von wo er im Herbſt 1869 an unſere Anſtalt überging.
Eine weitere Vermehrung des Lehrerperſonals ſteht bevor, denn der Stadtvorſtand hat die Gründung einer fünften Klaſſe, welche mit Anfang des neuen Schuljahres in's Leben treten ſoll, beſchloſſen, und dieſe neue Klaſſe macht es nöthig, noch einen Lehrer anzuſtellen.— Auf die fünfte Klaſſe wird binnen Jahresfriſt die ſechſte folgen, und damit die Organiſation unſerer Anſtalt als einer Realſchule zweiter Ordnung vollendet ſein. Wir dürfen erwarten, daß ihr dann auch die Rechte einer ſolchen, tiomnenttic die auf den einjährigen Militärdienſt bezüglichen, zuerkannt werden.
Der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler im Laufe des Schuljahres kann als ein günſtiger bezeichnet werden. Es erkrankten zwar während des Sommers viele Schüler an den Maſern, allein die Krankheit nahm bei den Meiſten einen ſehr raſchen, günſtigen Verlauf; nur Einer war genöthigt, längere Zeit das Bett zu hüten.
Der ſehr ſtrenge und anhaltende Winter mußte den Meiſten der Auswärtigen, welche Morgens zur Schule in die Stadt kommen und Abends wieder heimgehen, ſehr viele Beſchwerden verurſachen. Trotzdem kamen Verſäumniſſe nur ſehr ſelten vor und blieb der Geſundheits⸗ zuſtand recht befriedigend.
Während des Sommers wurden einige Ausflüge unternommen. Das Ziel des erſten Spaziergangs war die Burgruine Otzberg. Ein ſtarkes Gewitter mit lang anhaltendem hef⸗ tigem Platzregen, welches uns überraſchte, vermochte nicht im Geringſten die Heiterkeit der Jugend zu ſtören.— Mehr von der Witterung begünſtigt war ein Ausflug nach dem etwa 5 Stunden entfernten Aſchaffenburg. Es wurde dort das Pompejanum beſucht und dann noch ein Spaziergang nach der aus dem Jahre 1866 bekannten Faſanerie ausgeführt. Bei der Heimreiſe wurden des weiten Wegs halber Leiterwagen benutzt.— Der dritte größere Ausflug führte uns nach der benachbarten Burg Breuberg. Auf dem Heimweg wurden die Tunnel⸗ arbeiten bei Höchſt beſichtigt.
Die ungewöhnliche Hitze des Sommers nöthigte mehrmals dazu, den Nachmittags⸗Unter⸗ richt theils auszuſetzen, theils auf die Vormittagsſtunden zu verlegen.
Im Winter mußte wegen ungünſtiger Witterung der Turnunterricht faſt ganz ausgeſetzt werden.
Zu Anfang des Winterhalbjahrs wurde eine Religionsprüfung durch Herrn Prälat Dr. Zimmermann vorgenommen.


