Jahrgang 
1904
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der Schüler faſt auf das Doppelte anwuchs. Eine Erweiterung des Schul⸗ gebäudes war bei ſeiner eigenartigen Anlage inmitten eines freien Platzes ausgeſchloſſen.

Aber auch anderweitige Mängel, die mit der Lage des Gebäudes zuſammenhängen, ſollten ſich alsbald in der empfindlichſten Weiſe fühlbar machen. Der Anbau der Aborte an das Schulhaus forderte ſogleich den Verzicht auf die Lufterneuerung während des Unterrichts durch Luftſchächte weil dieſelben gleichzeitig als Abzüge für die Senkgruben dienen mußten.*) Beſonders im Winter wurde infolgedeſſen Heizung und Lüftung der Schul⸗ räume ſehr erſchwert, und der Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülern ließ deshalb zur kälteren Jahreszeit ſtets zu wünſchen übrig.

Ein weiterer Mangel des Schulhauſes beſtand darin, daß die Samm⸗ lungen für den naturgeſchichtlichen Unterricht in einem Dachzimmer unter⸗ gebracht werden mußten. Die Hitze, welche dort im Sommer herrſchte, machte in jedem Jahre einen verzweifelten Kampf mit dem Ungeziefer, dem trotz aller Vorkehrungsmaßregeln die Sammlungsgegenſtände zum Opfer fielen, notwendig. Da in jüngſter Zeit dieſer Raum nicht mehr ausreichte, wurde zur Aufnahme der Sammlungen das Lehrerzimmer, welches ohne⸗ hin bereits zur Aufbewahrung von Wandkarten u. ſ. f. diente, benützt, wie denn dieſer Raum überhaupt für alle möglichen Schulzwecke herhalten mußte. Für die Abhaltung von Schulfeierlichkeiten, wie ſie an dem Ge burtstage des Kaiſers und des Großherzogs in allen Schulen des Landes ſtattfinden ſollen, mußte eines der größeren Schulzimmer benutzt werden, da ein anderer Raum von erforderlicher Größe nicht zur Verfügung ſtand. Erwies ſich dasſelbe für den gemeinſchaftlichen Unterricht mehrerer Klaſſen in Geographie, Naturgeſchichte, Singen uſw. als viel zu klein, ſo machte ſich dies noch weit mehr bei feſtlichen Gelegenheiten fühlbar, weil ſämtliche Schüler der Anſtalt in dieſem beſchränkten Raume vereinigt werden mußten. Die Rückſicht auf dieſen Uebelſtand machte es den Lehrern zur Pflicht, den Schulfeierlichkeiten eine möglichſt einfache Geſtalt zu geben, um den Aufent halt der Kinder in einem ſolchen Raum nicht über die Maßen auszudehnen.

Es darf auch nicht verſchwiegen werden, daß der Mangel eines ab⸗ geſchloſſenen Schulhofes den Turnunterricht, welcher bei dem Fehlen einer Turnhalle nur zur Sommerszeit abgehalten werden konnte, erheblich beein⸗ trächtigte, indem die Kinder durch Zuſchauer vielfach von dem Unterricht, der bekanntlich die geſpannteſte Aufmerkſamkeit bei den Zöglingen erfordert, abgelenkt wurden. Turngeräte waren ſeither nur wenige vorhanden; die

*) Wir würden dieſe Verhältniſſe hier nicht zur Sprache gebracht haben, wenn uns nicht wiederholt zu Ohren gekommen wäre, daß in Fachſchriften die Anlage dieſes Schulhauſes als Muſter für ähnliche Bauten empfohlen worden wäre. Wie die obigen Darlegungen zur Genüge dartun, haben wir allen Grund, vor einer ſolchen unzweckmäßigen Bauart zu warnen.

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