Jahrgang 
1904
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Q.=en

Mangel eines eignen Schulhauſes wurde die Anſtalt vorerſt noch in Privathäuſern untergebracht, ſoweit ſie nicht in unbeſetzten Räumen im Schulhauſe an der Kirche Unterkommen finden konnte. Wenn nun auch jene Mieträume in der Nähe dieſes Schulgebäudes lagen, ſo war die Leitung der Anſtalt, insbeſondere ſoweit ſie die Aufrechterhaltung der Schul⸗ zucht betrifft, dadurch ungemein erſchwert. Es wirkt geradezu erheiternd, wenn man vernimmt, daß die Lehrer zum Beginn der Unterrichtsſtunde vom Schulhofe aus ſich nach verſchiedenen Richtungen zerſtreuten, um den ihnen zugewieſenen Schulräumen zuzuſteuern. Mit aufrichtiger Freude begrüßten deshalb die Lehrer und Schüler der Anſtalt den Beſchluß des Gemeinde⸗ rates, welcher ihnen ein eignes Heim verſchaffen ſollte. Lange Unter⸗ handlungen zwiſchen der Kreisbehörde und der Gemeindevertretung waren erforderlich, bis der Bau des neuen Schulhauſes in Angriff genommen werden konnte. Nach dem Grundſatz, daß gut Ding Weile haben will, ſollte man annehmen, daß nach ſo langwierigen Vorbereitungen ein Werk zuſtande gekommen wäre, das nach ſeiner Vollendung die Zuſtimmung der hieſigen Bürgerſchaft gefunden hätte. Dies läßt ſich jedoch von dem Schul⸗ haus, das damals mitten auf dem Marktplatz errichtet wurde, leider nicht behaupten. Und die Fehler, die mit dieſer Anlage begangen wurden, traten denn auch nur zu bald zu Tage.

Der mit großen Kaſtanienbäumen beflanzte Marktplatz hatte durch dieſes Gebäude ebenſowenig gewonnen, wie durch das Amtsgerichts gebäude, das etwa zwei Jahre ſpäter ebenfalls hier errichtet wurde. In anderer Hinſicht war aber auch dieſe Anlage ſchon von vornherein durchaus verfehlt. Denn ſie war nur auf einen Beſuch von etwa 60 Kindern berechnet, obgleich die Anſtalt damals von mehr Kindern beſucht geweſen ſein mußte. Allem Anſchein nach ſollten nur die Zöglinge der eigentlichen Höheren Bürgerſchule darin untergebracht werden. Für die Vorſchule, die damals bereits beſtand, war gar kein Platz in dem Gebäude vorgeſehen. Die erſtrebte Vereinigung ſämtlicher Schüler unter einem Dache war alſo dadurch nicht möglich geworden, aber ſelbſt die Räume, welche nur die fünf Klaſſen der Höheren Bürgerſchule beherbergen ſollten, erwieſen ſich bald als zu klein, weil nach dem Einzug in das neue Haus die Anzahl

Die neugegründete Höhere Bürgerſchule war zuerſt in dem ſüd⸗ lichen Flügel der Fehr'ſchen, ſpäter Wolff'ſchen Fabrik an der Frankfurter Straße untergebracht, der während des Kriegsjahres 1870/71 als Lazarett ge⸗ braucht worden war. Sodann wurden ihr in dem auf dem alten Kirchhofe neuerrichteten Schulhauſe, ſowie in dem in der Nähe befindlichen Bert'ſchen und Sperling'ſchen Hauſe Räume zugewieſen, bis ihr endlich das Schulhaus auf dem Marktplatz(1878) erbaut wurde. Wegen Mangel an Platz konnte freilich die Vorſchule darin nicht untergebracht werden, weshalb dieſe im Schulhauſe ſim hinterſten Gäßchen und an der Kirche bisher Unterkunft ſuchen mußte.

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