Jahrgang 
1904
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die Einrichtung einer ſolchen Lehranſtalt vor der Hand am leichteſten bewerk⸗ ſtelligen laſſe und in einer ſpäteren Darlegung gelang es ihm, den Kreisrat Heim von der Durchführbarkeit des geplanten Unternehmens zu überzeugen.

Dieſer berief daher zur Prufung und Begutachtung dieſer Vorſchläge den Pfarrer Clotz, welcher als Mitglied der Bezirksſchulkommiſſion an⸗ gehörte. Dieſer befürwortete in ſeinem Gutachten vom 4. November die Gründung der geplanten höheren Bürgerſchule. Da dieſe ſchon am 1. Januar 1846 ins Leben treten ſollte, mußte deren Organiſation in aller Eile betrieben werden, damit die Unterhandlungen mit dem Großh. Oberſchulrat in Darmſtadt wegen der ſtaatlichen Anerkennung derſelben eingeleitet werden konnten. Hierbei war in Betracht zu ziehen, daß, wenn die Anſtalt,je nach den verſchiedenen Lebensbeſtimmungen der Kinder, den verſchiedenen Anſprüchen genügen ſollte, ſie dreierlei Zwecken entſprechen müſſe. Sie müſſe ſein:

1) eine Fortſetzung des Unterrichts in den Volksſchulen aus einem höheren Geſichtspunkte und für allgemeine Bildung,

2) eine Vorbereitungsſchule für die Gymnaſien und

3) eine Vorbereitungsſchule für die höheren Realſchulen.

Wie ſchwierig es iſt, eine ſolche, den Forderungen Aller entſprechende Anſtalt ins Leben zu rufen, bedarf wohl keiner näheren Auseinanderſetzung, heißt es im Bericht des Kreisrats Heim.Eine anerkannte, praktiſche Wahrheit iſt: fährt er fortwer zuviel fordert, fordert nichts! und dieſer Wahrheit huldigend muß der Geſichtspunkt aufgeſucht werden, welcher zu einem mehr bedingten, mehr beſchränkten Zweck hinleitet, der die maßgebenden Einrichtungen der werdenden Anſtalt beſtimmt.

Vor allen Dingen war zu berückſichtigen, daß der hieſige Stadt⸗ vorſtand die Notwendigkeit der Förderung aller induſtriellen Fächer durch bildenden Unterricht der Bürgerſöhne in den ſogenannten Realkenntniſſen dadurch ausgeſprochen hat, daß er ein Opfer von 300 fl. aus der Stadt⸗ kaſſe endlich bewilligte. Dieſem Zweck des Stadtvorſtandes zu genügen, mußte daher eine Hauptaufgabe der Anſtalt ſein, welchem die anderen Bildungszwecke mehr unterzuordnen als gleichzuſtellen wären. Eine möglichſt umfaſſende Vorbereitung für die klaſſiſchen Studien und eine möglichſt aus gedehnte allgemeine höhere Ausbildung müßte alſo bedingt ſein durch die Möglichkeit einer vollſtändigen Vorbildung in den Realwiſſenſchaften. Glücklicher Weiſe ſind indeſſen die Kenntniſſe, welche wenigſtens teilweiſe in das Gymnafum gebracht werden müſſen, und die, welche von jedem Gebildeten verlangt werden, wiederum die Baſis und die Entwickelungs und Fortſchreitungsbedingung des Wiſſens des Realſchülers, und dadurch iſt nun auch das Bindungsmittel gegeben, welches jene verſchiedene For⸗ derungen für Erreichung der Bildung zu verſchiedenen Lebensbeſtimmungen zuſammenhält.

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