Jahrgang 
1894
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Praktiſche Ubungen

zum mathematkiſchen Unkerrichte

von J. W. Geiger und Dr. H. Pitz.

Bei den Beſprechungen über das an unſerer Schule in dem mathematiſchen Unterrichte einzuhaltende Lehrverfahren wurde als Prinzip aufgeſtellt, das für die rechneriſchen Aufgaben im geometriſchen Unterrichte nötige Material möglichſt durch Meſſungen in dem Schulhofe und ſeiner Umgebung zu gewinnen. Eine weitere Abſicht dabei iſt die, das Intereſſe an mathematiſchen Dingen durch die Anſchauung zu ſtärken und dadurch den Unterricht in der Mathematik, insbeſondere der Planimetrie und der Trigonometrie fruchtbringender zu geſtalten.

Dieſe praktiſchen Meſſungen und Übungen ſollen von den Schülern ſelbſt angeſtellt werden und bei dieſen eine gewiſſe Fertigkeit in der Behandlung der gebrauchten Inſtrumente bewirken und ihren Sinn für möglichſte Genauigkeit in den Ableſungen wecken. Derartige Beſchäftigungen und Meſſungen im Freien verhüten auch die beim mathematiſchen Unterricht und ſeiner abſtrakten Denk⸗ thätigkeit leicht eintretende geiſtige Abſpannung oder regen den Geiſt des Schülers von Neuem an. Es liegt uns aber fern auf Grund unſerer Meſſungen eine methodiſche Bearbeitung des planimetriſchen und trigonometriſchen Penſums zu liefern oder das ganze trigonometriſche Syſtem auf konkreten Aufgaben aufzubauen, wie dies von Herrn Profeſſor Falke im Jahrbuch des Vereins für wiſſenſchaftliche Pä⸗ dagogik 1888 verſucht worden iſt. Wir wollen nur zeigen, wie die Meſſungen im Schulhofe vielfach den Übungsaufgaben im geometriſchen Unterrichte zu Grund gelegt werden und zur Erläuterung durch⸗ genommener Lehrſätze des Syſtems dienen können.

Wie der in einer früheren Programmarbeit von unſerem Collegen Herrn Dr. Erb beſchriebene Schulgarten dem naturwiſſenſchaftlichen Unterrichte dient, ſo ſollen auch der Schulhof und ſeine ihn umgebenden Gebäude dem mathematiſchen Unterrichte nutzbar gemacht werden.

Zu dieſem Zwecke wurde ein größeres Polygon feſtgelegt. Die durch den ganz ebenen Schulhof abgeſteckte Hauptlinie NE(ſiehe Figur) geht von einer Marke in der Mitte des Schulgebäudes aus. Der Punkt A iſt ſo gewählt, daß man in ihm gut den Elevationswinkel, unter dem die Höhe des Schulhauſes