Jahrgang 
1888
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Die Gabe war von folgendem herzlichen Schreiben begleitet:

Chicago, Illinois, den 22. Februar 1887. Dem derzeitigen Direktor der Realſchule u. ſ. w.

Wir Unterzeichneten, frühere Schüler der Realſchule, rechnen es uns zu großer Ehre, und es gewährt uns aufrichtige Freude, der genannten Anſtalt vom fernen Amerika, das ſo vielen Deutſchen zur zweiten Heimat geworden iſt, die herzlichſten Glückwünſche zu ihrem 50 jährigen Jubiläum zu ſenden und damit zu verbinden den aufrichtigen Wunſch, die Anſtalt möge auch fernerhin durch die Vortrefflichkeit ihrer Lehr⸗ kräfte und durch ihre humane Erziehungsweiſe ihren Schülern zum Segen werden, wie ſie uns zum Segen geworden iſt, die wir ſeit nahezu 20 Jahren in fremdem Weltteile eine bleibende Stätte gefunden haben. Finden ſich je hier alte Gießener Realſchüler zuſammen, ſo iſt nicht ihr letzter Gedanke der an die gemein⸗ ſam verlebte Schulzeit, nicht vergeſſen ſind die teuren alten Lehrer, nicht vergeſſen die Opfer, die ſie uns brachten durch die Liebe und die Ausdauer, mit der ſie ſich ihrer ſchweren Aufgabe unterzogen.

Dank darum, herzlichen Dank ihnen, denen es vergönnt iſt, den heutigen frohen Tag mitzufeiern und ein treues Gedenken auch den teuren Lehrern, die längſt der kühle Raſen deckt. Ihnen allen aber, Lehrern, Schülern und Schulkameraden die herzlichſten Grüße und Glückwünſche aus dem fernen Weſten.

(Folgen die Unterſchriften.)

Die Verwendung der Summe ſtellten die Geber in das Ermeſſen des Lehrerkollegiums. Nach eingeholter Genehmigung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs und im Einverſtändnis mit dem Großh. Miniſterium und den ſtädtiſchen Behörden wurde beſchloſſen, den Betrag, vereinigt mit einer im Jahre 1845 von dem Buchhändler Heyer geſtifteten Summe, unter dem Namen Heyer⸗Hanſtein⸗ Stiftung bei der Stadtkaſſe dauernd verzinslich anzulegen und den jährlichen Zinsbetrag von 65 Mark zur Beſchaffung von Prämien für fleißige und wohlgeſittete Schüler zu verwenden.

Die erſte Prämienverteilung aus der Heyer⸗Hanſtein⸗Stiftung wird am Schluſſe des gegenwärtigen Schuljahres erfolgen.

In das Schuljahr 1887/88 fallen folgende Aenderungen in der Zuſammenſetzung des Lehrerkollegiums: Realgymnaſiallehrer Dr. Koſt, ſeit Herbſt 1880 an der Anſtalt thätig, wurde durch Allerhöchſtes Dekret vom 16. März 1887 als Gymnaſiallehrer nach Büdingen verſetzt. Die Schule verlor in ihm einen tüchtigen Lehrer, das Kollegium ein liebes und geſchätztes Mitglied. An ſeine Stelle trat, zu⸗ nächſt proviſoriſch, ſodann durch Dekret vom 18. Mai 1887 definitiv, Realgymnaſiallehrer Wilhelm Geiger, bis dahin Lehrer an der erweiterten Schule in Groß⸗ ⸗Gerau. An die Stelle des am 1. April 1887 verſetzten Lehrers Schmuck(vergl. den vorigen Jahresbericht) trat der proviſoriſche Real⸗ gymnaſiallehrer Rudolf Erb. Der Lehramtscandidat Daniel Bonin aus Rohrbach wurde durch Verfügung vom 16. Juli 1887 zum Acceß zugelaſſen und der Volontär Theodor Taſche von hier durch Verfügung vom 15. Auguſt 1887 vertretungsweiſe an das Realgymnaſium zu Darmſtadt berufen. Durch Entſchließung vom 19. Oktober 1887 wurde der Lehrer J. Kahl an die Realſchule zu Wimpfen verſetzt; ſein Stellvertreter wurde der Schulverwalter Georg Baldauf, vorher in Wimpfen. Am 8. November 1887 ſchied der mit der vertretungsweiſen Erteilung des katholiſchen Religionsunterrichtes betraute Kaplan Fiſcher verſetzungshalber aus und wurde laut Verfügung vom 23. November 1887 durch den Kaplan Fecher aus Groß⸗Steinheim erſetzt. Für den krank heitshalber beurlaubten Real⸗ gymnaſiallehrer Schwabe übernahm auf Grund hoher Verfügung vom 2. Februar 1888 Stadt⸗ pfarrer Dingeldey von hier vertretungsweiſe den evangeliſchen Religionsunterricht in den oberen Klaſſen.

Der Unterrichtsbetrieb erlitt eine Reihe empfindlicher Störungen.

Wegen Krankheit fehlten: Realgymnaſiallehrer Müller während des ganzen Sommerſemeſters (mit Urlaub) und ſodann vom 3. März bis zum Schluſſe des Schuljahres; Realgymnaſiallehrer