Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

6

finden, ſondern ein Heim, in dem ſie zwar tüchtig arbeiten müſſen, das ihnen aber auch reiche Rahrung für Herz und Gemüt gibt. Meine Erziehungsgrund⸗ ſätze erſtreben eine gleichmäßige Kusbildung an Körper, Geiſt und Charakter. die Jungen neben ihrer wiſſenſchafllichen Ausbildung zu einem möͤglichſt tiefgehenden Verſtändnis für alles Schöne und Hohe in Katur und Kunſt zu erziehen, iſt eine Raupiaufgabe meines Lebens. Ich ſuche dies überall und in jedem Zuſammenhange zu erreichen. Die Schönheit der Umgegend ſuche ich den jungen Herzen zu erſchlieen; in die Schönheit der bildenden Künſte weihe ich ſie durch regelmäßige Vorträge an langen Winterabenden ein. Die gewaltige Kunſt der Renaiſſance im engſten Zuſammenhange mit der geſomten Multurgeſchichte dieſer Zeit bildet hier neben der Behandlung mittelalterlicher Baukunſt in Deutſchland den hauptſächlichſten Gegenſtand meiner dem Ver⸗ ſtändnis der Jugend angepaßten und durch Ciotbilder reich unterſtutzten Vor⸗ träge. Auf einer einmal im Jahre ſtattfindenden größeren Wanderfahrtwerden dann die hauplſächlichſten Stütten deutſcher Kunſt und Kultur, einmal im Ror⸗ den, ein andermal im Süden unſeres Vaierlandes, beſucht.(iehe Jahresbericht) Daß auch der Ntuſit eine beſondere Pflege zuteil wird, braucht kaum erwähnt zu werden. Die Jugend, die ein offenes(uuge und ſicheres Verſtündnis für Schön und Häßlich, Gut und Schlecht erlangt hat, wird ganz aus ſich ſelbſt heraus im Benehmen und Kuftreten, in Geſinnung und Randlung allen Kn⸗ forderungen genlgen, die an einen wahrhaft gebildeten Menſchen geſtellt werden. Die ethiſchen Werte des künſtleriſchen Nomentes in der Erziehung ſind durch nichts zu erſetzen.

hjand in hand mit der Enlwictlung des Charakters geht die harmoniſche Durchbildung des Körpers. Um alle Wusheln des Körpers gleichmäßig zu ſtählen, werden der Jahreszeit und der Witterung eniſprechend die verſchiee denſten Körperlichen Betätigungen ausgeführt. Geturnt und geſchwommen wird immer, und vor allem werden Fußturen unternommen. Sauſtball, Fuß⸗ ball, Schlagball, Schleuderball, Cemnis und das beliebte Barlauſſpiel werden eifrig gepflegt.

Die geſamte Arbeit im pädagogium und im Schülerheim hat mithin zum Fiel, aus unſeren Jungen ſleißige, wahrhaft gebildete Menſchen zu machen, ihnen Grundlagen zu geben, auf denen ſie ihr Leben ſeſt und ſicher auſbauen lönnen.

III. Aufnahme⸗Bedingungen.

1. Die Auſnahme in das pädagogium erfolgt mit und ohne Penſion. Schü⸗ ler, die nicht bei den Eltern wohnen, mäſſen im allgemeinen im Schüler⸗ heim wohnen, Kusnahmen ſind nur mit Genehmigung des Diretors