Jahrgang 
1915
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5 ausſicht über die Stadt hin auf die Giehen rings umſähliehenden Berge. Die Schülerwohnzimmer ſind groß und luftig, beheizt und mi eleltriſchem Licht ver⸗ ſehen. Genlgt das haus mit ſeinem Park mithin allen Anforderungen, die geſundheitlich zu ſtellen ſind, ſo ſei noch beſonders auf die außerordentlich günſtige Cage Gießens ſelbſt hingewieſen. Die Stadt iegt in einem Calkeſſel an der Cahn da, wo ſie mit ſcharfem Knict nach Weſten umbiegt. Rings grüßen die Berge des Weſterwaldes, Caunus und Dogelsherges ſowie des heſſiſchen Berglandes herab und umgeben die Stadt wie mit einem Kranze. Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß zahlreiche Wanderungen die Scül⸗ ler bald mit den Schönheiten der Ratur, die von Giehen ſo ſehr bequem zu erreichen ſind, behannt machen. Giehen liegt in unmittelbarer Rähe von marburg, Bad⸗Nauheim, Bad Ems, Wiesbaden und zwar von allen dieſen Städten faſt gleichweit entfernt. Ein gutes Stadttheater, Deranſtaltungen des Muſthwereins ſowie zallkeiche, der Kllgemeinheit geöffnete Vorträge der Uni⸗ verſſtätsprofeſſoren ſichern der Stadt ein überaus reges, geiſiges Ceben, an dem die Schule naturgemäß fleihigen Knteil nimmt.

Das Leben im Schülerheim ſpielt ſich dergeſtalt ab, daß der Vormittag dem Unterricht im pädagogium gemidmet iſt, der nachmittag zunächſt den hänslichen Arbeiten(unter ſtrenger Aufficht), dann körperlicher Vetütigung (Gartenarbeit, Sport, Curnen, Wandern). Die Mahlzeiten, die mit der Ja. milie des Dirsßtors gemeinſom eingenommen werden, ſind reiäͤlich und hräf. tigend. Jeder nimmt von den herumgereichten Schüſſeln ſolange, bis er voll. kommer geſttit it. Es werden mahlzeiten geboten: 1. und 2. Früſtüch, mittageſſen, Deſper, Abendeſſen.

Das Leben im Schülerheim wie der Unterricht im püdagogium iſt den Sorderungen moderner pädagogign angepaßt. Uns frei, nach gänzlich eigenen mneethaden auszuarbeiten, wir es einige Tanderziehungsheime lun, lehnen wir ab. Denn einmal iſt das erſte und dringendſte iel unſerer Aröeit: Das Be⸗ ſtehen der Prüfungen ſ(es iſt nicht unſere Sache, Cehrexperimente anzuſtellen); und zum andern bleibt auch ſo noch genug Raum für Reſormen aller Kri. Unſere Schule will eine Erziehungsſchule Gädagogiun) ſein,in der neben der rein wiſeeſchaftlichen Ausbildung in erſter Linie Wert auf die Vildung des Charakters gelegt wird. Durch die Erziehung der Schüler, der körperlich ſtarken wie ſchwachen, zu Catkraft, zu eiſernem Sleihe, will ich ihnen eine chle Charakierfeſtigteit mitgeben. Treie, aufrechte Menſchen will ih daraus machen, die jeder Schwierigkeit des ebens mit Hreude begegnen, die in jeder kage ihren Mann ſtehen. So ſehr ich deshalb Wert auf eine tüütige, wiſſen⸗ ſchaftliche Ausbildung lege, die die vorgeſchriebenen Prüfungen leicht be⸗ ſtehen läßt, ſo ſehr ſuche ich auch dem Gemüt meiner Schüler Anregung zu geben. Neine Drillanſtalt, ReinePreſſe ſollen die Schüler bei mir